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Der Erste Weltkrieg

Der Beginn des Krieges wurde von großen Teilen der Bevölkerung in den beteiligten Staaten zunächst mit Begeisterung und Jubel begrüßt. Nach den vielen Jahren sich steigernder Spannungen betrachteten sie den Krieg als ein "reinigendes Gewitter". Viele Menschen glaubten auch, die Ehre und die Macht des eigenen Staates gegen den Angriff anderer Mächte verteidigen zu müssen. Deswegen waren zum Beispiel die von der Regierung bisher verfolgten Sozialdemokraten bereit das "Vaterland nicht im Stich" zu lassen.

Die ersten Kämpfe im Westen und Osten schienen die weit verbreitete Auffassung zu bestätigen, dass dieser Krieg nur von kurzer Dauer sein würde. Innerhalb weniger Wochen drangen die deutschen Truppen durch Belgien bis kurz vor Paris vor. Erst hier konnten die englischen und französischen Armeen den deutschen Vormarsch aufhalten. In den folgenden vier Jahren erstarrte der Krieg zwischen der belgischen Nordseeküste und der Schweizer Grenze in einem System von Gräben und Stacheldraht. Die Zahl der Opfer in diesen sinnlosen Stellungskämpfen war gewaltig. So verloren allein in den nur wenige Monate dauernden Kämpfen um die Festung Verdun 360.000 französische und 335.000 deutsche Soldaten ihr Leben.

Auch der ständig steigende Einsatz von Maschinengewehren, Flugzeugen, Panzern und Giftgas in den blutigen Kämpfen veränderte die militärische Lage nur wenig. Die neuen Waffen machten jedoch deutlich, dass die moderne Technik und die Industrialisierung den Charakter des Krieges veränderten. Der Krieg wurde immer mehr zu einer Materialschlacht, in der ungeheure Mengen an Waffen und Munition verbraucht wurden. Die Zerstörungskraft der Waffen und damit die Zahl der Opfer stieg in bis dahin unvorstellbarer Weise.

Die unerwartete Nachricht von der bevorstehenden militärischen Niederlage hatte 1918 das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in das alte System endgültig erschüttert. Wie berechtigt das Misstrauen war zeigte sich Ende Oktober 1918. Obwohl die Regierung bereits mit den Alliierten über einen Waffenstillstand verhandelte, befahl die Marineführung der Flotte zu einer inzwischen sinnlos gewordenen Schlacht in die Nordsee auszulaufen. Gegen diese selbstmörderische Operation meuterten die Matrosen der Hochseeflotte in Kiel und Wilhelmshaven. Damit gaben sie zugleich das Signal zum endgültigen Sturz der Monarchie. Am 9. November, als die revolutionäre Welle Berlin erreichte, verzichtete Wilhelm II. auf seinen Thron. Zwei Tage später unterzeichneten Vertreter der neuen Regierung im Wald von Compiegne bei Paris das Waffenstillstandsabkommen. Der Erste Weltkrieg war damit zu Ende.

Für Europa war dieser Krieg eine Katastrophe. Millionen Menschen hatten ihr Leben verloren. Weite Landschaften Europas waren völlig verwüstet worden. In Frankreich und Belgien waren allein 350.000 Häuser völlig zerstört. Gleichzeitig hatte sich die Landkarte Europas verändert: Die Donaumonarchie war ebenso wie das Osmanische Reich in mehrere Einzelstaaten zerfallen; in Osteuropa waren nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches ebenfalls mehrere neue Staaten entstanden. Mittel- und Osteuropa wurden seit 1917 von einer Welle innerer Revolutionen erfasst, die die bestehenden Gesellschaftsordnungen radikal infrage stellten. Der Eintritt der USA in den Krieg war schließlich ein Zeichen dafür, dass Europa seine alte Rolle in der Geschichte der Welt verloren hatte.