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Das Zeitalter der französischen Revolution und Napoleons

Mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte1789, der Aufhebung der Standesvorrechte des Adels, hatte die Französische Revolution eine neue Grundlage für das gesamte Staatsleben geschaffen, und dies nicht nur für Frankreich, sondern auch für den größten Teil Europas. Die Ereignisse der Zeit von 1789 bis 1815 ermöglichten den entscheidenden Durchbruch des Bürgertums gegenüber der ein Jahrtausend alten Feudalstruktur und einer ein halbes Jahrtausend alten ständischen Ordnung. Im Hinblick auf Staatsverfassung, Wirtschaft, Gesellschaft und Bildungswesen stellte die Französische Revolution für Europa einen tieferen Einschnitt dar, als es der Beginn der Neuzeit um 1500 getan hatte. Auch für das Militärwesen bewirkte sie entscheidende Veränderungen.

Die neue Taktik der französischen Revolutionsheere war die natürliche Folge der umgebildeten Staats- und Heeresverfassung. Ihr Wesen bestand in der Kombination von kampfeinleitendem Schützengefecht, frontalem Feuerkampf und der Stoßkraft der geschlossenen Bataillonskolonne. Deren Kompanien standen nicht mehr wie in der Lineartaktik des 18. Jahrhunderts nebeneinander, sondern hintereinander. Die Bataillonskolonne konnte sich im Gelände weit besser und schneller bewegen, gegebenenfalls auch leichter verbergen. Der Faktor von Raum und Zeit erlangte wieder einen neuen Stellenwert: schnelle Truppenverschiebungen zum richtigen Zeitpunkt an der entscheidenden Stelle durchzuführen war ein Baustein des Sieges.

Neben der Einführung der Tirailleur- und der Kolonnentaktik und dem flexibleren Einsatz der Artillerie auf dem Schlachtfeld mit dem Bemühen der Konzentration auf einen Punkt und der so erzielten Feuerüberlegenheit kam als vierte wesentliche taktische Neuerung, die das Kriegsbild der napoleonischen Führungskunst kennzeichnet, die Einteilung der Armee in selbständige Divisionen hinzu. Die dauernde Einteilung in Divisionen erleichterte die Befehlsgebung des Oberkommandos und ermöglichte es, die Truppenverbande parallel auf verschiedenen Wegen rascher zu bewegen und zudem die Truppen während der Bewegungen so auszubreiten, dass sie ihren Unterhalt finden konnten, ohne dass sie darum der Führung aus der Hand gerieten. „Man muss sich ausbreiten, um zu leben, und sich wieder zusammenziehen, um zu schlagen“, das ist der große Grundgedanke eines neuen Zweiges der Kriegswissenschaft, der Logistik.