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Vom ausgehenden Mittelalter bis zur frühen Neuzeit

 

Die in den ersten Räumen der Dauerausstellung gezeigten militärischen Waffen und Ausrüstungsstücke geben einen Überblick über die Entwicklung des Militärwesens seit dem späten Mittelalter. Nur die wenigsten von ihnen sind zugleich Meisterleistungen alten Handwerks von hohem künstlerischem Rang. Dennoch sind sie ein Beleg eines vielfältigen und weit verzweigten Berufsstandes wie Plattner, Sarwurker (Sar=Draht), Bogner, Schildmacher, Schmied etc. Damit kann die historische Waffen- und Uniformkunde vielen Teilgebieten der Geschichtswissenschaft wie der Sozial-, Wirtschafts-, Technik- und Militärgeschichte, als Hilfswissenschaft anschauliches Material bieten. Die ausgestellten Stücke demonstrieren, wie der durchschnittliche Soldat und Offizier ausgerüstet, bewaffnet und bekleidet war.

Den Wandel des Kriegswesens vom Ritterheer zur neuzeitlichen Heeresorganisation zeigt beispielsweise die Armbrust in einer der ersten Vitrinen auf. Erste Zeugnisse über die Armbrust stammen aus dem 10. Jahrhundert Wie gefürchtet sie war, zeigen die Versuche der Kirche, sie auf dem 2. Laterankonzil von 1139 zu verbieten als eine „mörderische und unchristliche“ Waffe, die nur im Kampf gegen Heiden eingesetzt werden sollte. Im Gegensatz zum Bogen war ihre Schussleistung zwar in der Schussfolge langsamer, dafür aber weiter und vor allem durchschlagender. Die Reichweite der Armbrust betrug um 1500 durchschnittlich 300 bis 400 Meter. In der Minute konnte ungefähr ein Schuss abgegeben werden. Die Armbrust war die erste mechanische Handfernwaffe und der Feuerwaffe bis zum Ende des15. Jahrhundert an Treffsicherheit und auch an Durchschlagskraft weit überlegen. Die im Wehrgeschichtlichen Museum gezeigte deutsche Kriegsarmbrust mit Zahnstangengewinde kam gegen Ende des 14. Jahrhundert auf. Die Winde zum Spannen gleicht im Prinzip einem Wagenheber.

Die zunehmende Bedeutung der Fußkampfer in der Feldschlacht seit dem 14. Jahrhundert führte zur Ausbildung der unterschiedlichsten Stangenwaffen. Die einfachste Stoßwaffe war der Spieß. Die meisten Stangenwaffen firmieren unter dem Sammelbegriff Rossschinder. Es war ökonomischer das Pferd zu Fall zu bringen und den Reiter gefangen zu nehmen und diesen gegen ein Lösegeld freizulassen.
Der Harnisch und die Spitze des Langspießes des Pikeniers im Wehrgeschichtlichen Museum entsprechen dem Original. Die Pike selbst hatte eine durchschnittliche Länge von 4,50m. Die unhandliche Waffe war nur für den Gebrauch in geschlossener Formation geeignet, die gepanzerten Soldaten deckten dabei die Musketiere gegen Angriffe der Reiterei ab.

Musketiere waren Fußsoldaten, die mit Feuerwaffen, den sogenannten Musketen ausgerüstet waren.
Durch die Verbesserung der Luntenschlossmuskete waren sie ab 1600 der Hauptträger des Gefechts geworden. Zur Ausrüstung gehörten:

  • das Bandelier, ein Schulterriemen mit bis zu 14 Holzbüchsen, die jede mit der Pulvermenge für einen Schuss gefüllt war,
  • eine Pulverflasche mit feinem Zündpulver für die Pfanne,
  • ein lederner Kugelbeutel,
  • ein Ölfläschchen,
  • eine zusammengelegte Lunte (ein in Bleizucker getränkter Hanfstrick, der stundenlang glimmen konnte).