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Namen – Bilder – Schatten

Treibgut der wilhelminischen Marine bis 1918 in Baden und Württemberg

 

„Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser.“ Das war der griffige Slogan, mit dem unter Kaiser Wilhelm II. ein gewaltiges maritimes Aufrüstungsprogramm in Angriff genommen wurde. Die Armee war im deutschen Kaiserreich nach 1871 eine Selbstverständlichkeit.
Der Aufbau einer Flotte, die Weltgeltung beanspruchen wollte, dagegen nicht. Ein solch gewaltiger Ausbau der Marine musste den herrschenden Eliten und den Steuerzahlern „verkauft“ werden. Es wurde eine bis dahin beispiellose Marketingkampagne entfacht. Die Flottenpropaganda wurde zum Sinnbild einer ganzen Epoche deutscher Geschichte. Mit subtilen Mitteln bemühte man sich besonders um Akzeptanz im Süden Deutschlands.
Ein Weg dazu war es, Schiffe nach Herrschern und Dynastien sowie Ländern und Städten zu nennen. Namensgeber rechneten es sich als hohe Ehre an, Patenschaften zu den nach ihnen benannten Schiffen zu unterhalten. Manch eine Stadt war froh ihren Namen auf den Wogen zu wissen. Schiffe mit Namen „Markgraf“, „Zähringen“, „Baden“ und „Karlsruhe“ repräsentierten das Großherzogtum Baden in den Flottenlisten.

Das Bild zeigt die "Baden", aufgenommen von einem Marineflieger im Mai 1918.

Mit Wilhelm II. verbindet das kollektive historische Gedächtnis Schlachtschiffe und Weltmacht-Ambitionen und damit genau das Gegenteil der politischen Vorstellungswelt Bismarcks und Wilhelms I. Der neue Kaiser war ein Flottenliebhaber, hatte schon als Prinz kaum ein Manöver zur See versäumt und trug am liebsten die Uniform eines Admirals, der er seit 1889 war. So war Wilhelm II. Motor beim Aufbau einer starken Kriegsflotte, die ihm als Institution des Reiches direkt unterstand, und nichts hat ihn damals fortschritt-licher und innovativer erscheinen lassen. Wer zur Weltmacht aufsteigen wollte, der benötigte eine Flotte, Seemacht war gleich Weltmacht. In der wilhelminischen Epoche erlebte die deutsche Marine ihre Blütezeit, deren Schiffe den technischen Entwicklungsstand und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands wie kein anderes Waffensystem spiegelten. Schwimmendes Material war ein deutlicher Indikator für den Übergang des Deutschen Reiches zur pulsierenden Industrienation, der sich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts endgültig vollzog. Das Kriegsschiff mit seiner Typenvielfalt war wiederum das Ergebnis sowohl taktisch-politischer Forderungen wie auch der technisch-wirtschaftlichen Entwicklungsschübe, deren Ausschlag seit Beginn der „industriellen Revolution“ Mitte des 19. Jahrhunderts messbar war und nahezu alle Lebensbereiche nachhaltig erfasste.

Die neue Ausstellung im Wehrgeschichtlichen Museum widmet sich der Kaiserlichen Marine; an einem Ort der fast 700 Kilometer vom ehemaligen Kriegshafen Wilhelmshaven entfernt ist und an dem man wenig maritime Objekte erwarten würde. Deshalb soll diese Schau Einblick geben in die bisher kaum wahrgenommenen Schätze des Wehrgeschichtlichen Museums. Es werden selten gesehene Fotos von kaum bekannten Marinefotografen gezeigt und Blätter aus zeitgenössischen Kunstmappen verdeutlichen, wie sich Künstler in den Dienst der Flottenpropaganda stellten. Ein eindrucksvolles Werftmodell der „Karlsruhe“ bezeugt beispielsweise die Patenschaft zwischen Stadt und Schiff. Weit abseits der Küste sollte einst auch „Schwabens“ Zukunft auf dem Wasser liegen. Historische Stücke, die so etwas propagierten, sind als maritimes Treibgut nun tief im Binnenlande im Rahmen dieser Ausstellung zu besichtigen.