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HYBRIS - Fotoarbeiten zu Krieg und Militarismus

Eine Ausstellung des Wehrgeschichtlichen Museums Rastatt mit Harald Reusmann vom 02.07.2017 bis 17.09.2017

 

In großformatigen Fotoarbeiten widmet sich der Essener Künstler Harald Reusmann den Fragen menschlichen Verhaltens im Krieg. Wie wirkt sich z.B. das Tragen von Uniformen auf den menschlichen Charakter aus? Er verbindet das Projekt mit der ‚Verbildlichung‘ in Tiergestalt und bezieht sich konkret auf historische Vorlagen der Bild-Propaganda aus der Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges. Einer Zeit, in der der Feind von allen Parteien häufig visuell zum Tier ‚erniedrigt‘ wurde, um so den eigenen Kriegseinsatz zu rechtfertigen.

Harald Reusmann hinterfragt diese Vorgehensweisen, die keinesfalls auf den 100 Jahre zurückliegenden Krieg beschränkt bleiben, sondern auch in aktueller Bild-Propaganda seine Fortsetzung finden.

Alle Tiersoldaten auf den Fotos tragen deutsche und französische Uniformen, von der napoleonischen Zeit bis hin zum Ersten Weltkrieg und zeugen von über 100 Jahren europäischer Militärgeschichte. Hier werden Hierarchien verdeutlicht und Eitelkeiten gepflegt, die weit über die eigentliche Funktion einer Uniform hinausgehen. Durch die Kombination mit der Tierwelt werden diese Eigenschaften besonders betont. Der Autor kombiniert dabei frei und spielerisch die Botschaften, die durch diese Uniformen transportiert werden.

Für das Wehrgeschichtliche Museum besonders interessant ist der Wiedererkennungswert von Objekten seiner Dauerausstellung, die sich in den Fotokunstwerken wiederfinden. Neben Ausstellungsobjekten aus Rastatt fanden auch Stücke aus den Sammlungen des Bayerischen Armeemuseums und weiterer namhafter Museen in Europa Eingang in das Projekt.

Die über 40 Fotoarbeiten werden – nach einer erfolgreichen Präsentation im vergangenen Jahr im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum Osnabrück – nun in Rastatt erstmals der Öffentlichkeit in Süddeutschland vorgestellt. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Begleitkatalog erschienen.

Viele weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Künstlers:

http://art.reusmann.de/

 

 

 

 

Die Texte

Sämtliche Texte entstammen Feldpostkarten aus Deutschland und Frankreich, die auf europäischen Flohmärkten oder im Internet erworben wurden.

In den zahlreichen Zeugnissen spiegeln sich die alltäglichen Probleme und Nöte während des Krieges hinter und an der Frontlinie wider. Die Texte sind sehr kurz gehalten, da der Platz auf einer Postkarte sehr knapp bemessen ist. So kommt es zu einer komprimierten und klaren Eindringlichkeit, der man sich schwer entziehen kann.

Im Wechsel stehen Texte aus Frankreich und Deutschland nebeneinander. Das Gesamtbild zeigt eine emotionale Bandbreite von Hoffnung, Ärger bis zur Desillusioniertheit und über einfache Banalitäten bis hin zum Humor.

18: Juin 1915 soir
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Chère Marie – Beaufrère et Soeur
A la hate je vous envoi deux mots de Proyart
Sauf avis contraire, conte partir pour destination
inconnu, doute Aras. Suis bien portant
quand même et rien ne me fait flaichir, je regrète
malgré cela de ne pas être à Proyart Dimanche
vu que l’on s’était donné rendezvous avec Alphonce
Baptiste Emile – est Prosper, on aurait eu bien du
plaisir de passer une heure ensemble. peuêtre y aurait
contordre, tan mieux. plus ca bordera mieux ça ira
il faut bien quelque fois en finir. Je vous Embrasse
tous bien fort
R.R.

 


18ter Juni 1915 abends
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Liebe Marie – Schwager und Schwester
In Eile sende ich euch ein paar Worte aus Proyart
Wenn der Befehl so bleibt, rechne ich mit
Aufbruch an unbekanntes Ziel, Aras eher nicht.
Es geht mir trotzdem gut und nichts kann mich erschüttern,
ich bedauere aber, Sonntag nicht in Proyart zu sein,
denn wir hätten uns mit Alphonce, Baptiste, Emile –
und Prosper treffen können, und es hätte uns
Freude gmacht, eine Stunde zusammen zu verbringen.
Vielleicht kommt ein Gegenbefehl, um so besser.
Je kürzer die Sache dauert desto besser. Einmal muss es ja aufhören.
Ich umarme euch alle

 

 

 

Den Flyer zur Ausstellung können Sie hier herunterladen:

WGM_HYBRIS_Flyer_2017.pdf