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Reservistika

 

Kunst oder Militärkitsch? Reservistika und soldatische Erinnerungsstücke bis zum Ersten Weltkrieg

Im Deutschen Kaiserreich von 1871 bis 1918 war man voller Stolz auf seine Militärdienstzeit und zeigte dies in hohem Maße auch nach außen. Die Soldaten genossen im Volk ein großes Ansehen, und man war stolz darauf, „mit Gott für König und Vaterland“ gedient zu haben. Die Reservistika waren Ausdruck dieser Haltung, und sie wurden gern vorgezeigt. Als individuelle Erinnerungsstücke wurden zumeist Teller, Pfeifen, Gläser, Flaschen und vor allem Krüge gefertigt. Neben dem Namen des Reservisten und Angaben über Dienstzeit und militärische Einheit tragen diese Trinkgefäße Aufschriften und Sinnsprüche über Pflichten und Sehnsüchte des Reservisten. Die Krüge und Pfeifen sind mit zumeist farbigen Bildern und Symbolen reichlich ausgestattet. Nach dem Ersten Weltkrieg endete die Tradition der Reservistenkrüge. Heute sind sie äußerst beliebte Sammelobjekte.
Reservistika haben einen besonderen Reiz, da sie am Schnittpunkt der Themenbereiche Militaria und Volkskunst anzusiedeln sind und daher nicht nur den militärhistorisch interessierten Betrachter ansprechen. Oftmals finden sich wahre Kunstwerke darunter. Neben ihrer Bedeutung für die Alltagsgeschichte sind sie auch von lokalhistorischem Interesse. Auf vielen Reservistenkrügen finden sich zeitgenössische Darstellungen von Kasernenbauten der Garnisonsstädte oder Stadtansichten, die so heute nicht mehr existieren.

Auf ca. 75 m2 Ausstellungsfläche werden etwa 280 Exponate gezeigt. Darunter folgende herausragende Stücke

  • Lokalhistorisch interessante Vitrine zum Rastatter Stammregiment „Markgraf Ludwig Wilhelm (3. badisches) Nr. 111“
  • Reservistenkrug eines rheinischen Jäger Bataillons (Gefreiter Six)
  • Reservistenkrug eines Eisenbahn Regiments mit vollplastischer Lokomotive als Deckelfigur (Reservist Krach)
  • Reservisten Glaskrug der Marine (Reservist Franz auf der S.M.S. Goeben)
  • Reservistenknochen zur Erinnerung an den Feldzug 1914-1915 (Schulterblatt eines Rindes oder Ochsen)
  • Reservisten Miniatur Paddel des Pionierbataillons 14, Kehl a.R.

 

Einige Beispiele von Sinnsprüchen auf einigen der Krüge


Stoßt die Gläser an, hoch lebe der Reservemann!
Kanonendonner ist unser Gruß.
Stolz zu Roß die Cavallerie auf dem Posten spät und früh!
Wer treu gedient hat seine Zeit, dem sei ein voller Krug geweiht.