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Pressestimmen

 

Der reine Luxus

Wehrgeschichtliches Museum zeigt in seiner neuen Schau Offiziersgeschenke

"So viel Silber hatten wir in einer Ausstellung noch nie. Außerdem ist diese Präsentation einmalig und weltweit noch nie da gewesen", bemerkte der erfahrene Museumsmacher Frank Langkoff. Tatsächlich ist die neue Ausstellung im Wehrgeschichtlichen Museums (WGM) im Sudflügel des Rastatter Schlosses, "Offiziersgeschenke aus zwei Jahrhunderten", mitder Anmerkung, "Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft", etwas Besonderes, das viele Besuchergruppen ansprechen könnte.

Dabei ist die Titulierung, "Kleine Geschenke", untertrieben. In der Präsentation von fast 300 Objekten finden sich Stücke, die als wahre Schätze bezeichnet werden können. Einen ersten Hintergrund zu den Objekten lieferte der Direktor des WGMs, Alexander Jordan, Danach waren Offiziersgeschenke ein fester Bestandteil der "sozialen Militarkultur". Bei Dienstjubiläen, runden Geburtstagen oder vor allem beim Ausscheiden aus der Einheit, ließen es sich die anderen Offiziere nicht nehmen, etwas Besonderes auf den weiteren Weg mitzuge-ben. Jordan wies auf die Unterstützung für den über 160-Seiten-Katalog durch die "Freunde des WGM", auf den "sehr engagierten Mitarbeiter und Spezialisten Ulrich Schiers" hin, aber vor allem auf den leidenschaftlichen Sammler Dietmar Raksch.

Neben Objekten aus den Beständen und einigen aus Privatsammlungen, lieferte Raksch aus Neumünster das Gros der Exponate. Bei der Ausstellungseröffnung erwähnte er seine Jahrzehnte lange Sammelleidenschaft auf diesem Spezialgebiet. [...] "Der reine Luxus der Geschenke unterstrich den hohen Stellenwert der Offiziere in der damaligen Gesellschaft", merkte Raksch an. Dazu finden sich in der Ausstellung etwa ein Schiff, filigran gearbeitet in Silber, von 1874 oder ein Bowlegefäß in Silber aus den Beständen des WGMs. Zu der Fülle von Offiziersgaben sagte Dietmar Raksch, dass es im Gegensatz zu verliehenen Orden, keine Vorschriften gab.

Allerdings seien die wertvollen Geschenke manchmal auch schier ausgeufert. So habe sich ein schwäbischer Offizier in einer Publikation geäußert, er habe die "verwerfliche Sitte satt", dass er schon wieder bei einer Verabschiedung in seine Geldbörse greifen muss.

Das, was jetzt im WGM zu sehen ist, kann nicht nur Militariafreunde zum Staunen bringen. So ein Champagner-Set aus Potsdam im Lederfutteral mit drei Silberbechern und Zubehör ist dort etwa zu sehen. Der Fundus an Offiziersgeschenken in Bronze, Silber, Gold mit mancher Variante als Tabletts, Schalen, Bechern, Büsten, Statuetten, Pokalen, Spazierstöcken, Prachtmappen und mehr ist ziemlich einmalig.

Rainer Wollenschneider

Badische Neueste Nachrichten, 17.08.2015

Aus Kämpfern werden karitative Helfer

Wehrgeschichtliches Museum ergänzt Wanderausstellung über den Deutschen Orden mit eigenen Exponaten

Rastatt. Von Rainer Wollenschneider

Der Leiter des Wehrgeschichtlichen Museums (WGM), Dr. Alexander Jordan, konnte zahlreiche Gäste zur Ausstellungseröffnung "Lebendiger Orden mit großer Tradition. Die Geschichte des Deutschen Ordens", begrüßen. Darunter den Rastatter Altkomtur Gerhard-Wolfgang Saur und Ordensritter Pfarrer Rudi Killian. Bis zum 26. Juli werden den Besuchern 825 Jahre Ordensgeschichte auf 29 Bild-Text-Tafeln nahegebracht.

Die Wanderausstellung ist seit 2012 unterwegs. Zuvor war sie im Mainzer Landtag und in Österreich zu sehen. Eine entscheidende Aufwertung erfuhr sie nun durch zahlreiche Exponate aus den Beständen des WGM in einer Großvitrine. Dort finden sich beispielsweise das Hoch- und Deutschmeister-Huldigungsbuch für Kaiser Franz Joseph, ein originales Deutschordenskreuz, Riesenfolianten zu Deutschlands Ritter- und Verdienstorden und Epauletten des Deutschordens-Infanterie-Regiments Nr. 152.

"Der Deutsche Orden ist nicht verstaubt und geht uns heute noch immer etwas an", ließ die Direktorin des Deutschordensmuseums in Bad Mergentheim, Maike Trentin Meyer, in ihrem Festvortrag verlauten. Es existiere zudem ein lückenhaftes Wissen zum Deutschen Orden - und deswegen war die Wanderausstellung auch konzipiert worden. Weiter sagte die Rednerin: "Der Mythos des Ordens als kriegerische Organisation soll relativiert werden." Es gebe heute noch 1 000 Mitglieder des Deutschen Ordens. Sitz des Großmeisters ist Wien, eine Komturei des Deutschherrenbunds gibt es am Oberrhein.

Maike Trentin-Meyer lieferte den Zuhörern einen Geschichtskurs des Deutschen Ordens im Schnelldurchlauf. [...] Die Ordensgeschichte münde heute in einer europaweiten Vernetzung der karitativen Hilfe, beispielsweise in der Unterhaltung von Altenheimen bis hin zur Hilfe für Suchtkranke. Beim Studieren der Ausstellungstafeln erfährt man so manches interessante Detail zum Deutschen Orden. So waren oder sind Konrad Adenauer, Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber Ehrenritter. Die Kriegsauszeichnung Eisernes Kreuz hatte ihre Grundlage im Balkenkreuz des Ordens. Der Ordenssitz Marienburg, heute in Polen, ist der größte Backsteinbau Europas. Auch die Bezüge zum bekannten Infanterie-Regiment der Hoch- und Deutschmeister mit ihrem berühmten Regimentsmarsch werden hergestellt. [...]

Badisches Tagblatt, 05.06.2015

Ein logistisches Himmelfahrtskommando

Alexander Jordan berichtet im Asperger Torhaus über den Alpenkrieg in den Jahren 1915 bis 1918

Von Frank Klein

Aus Sicht von Alexander Jordan werden die Alpen als Kriegsschauplatz in den Jahren 1915 bis 1918, anders als etwa der Grabenkampf an der Westfront, "ein wenig stieftmütterlich" behandelt. Auf Einladung der Militärgeschichtlichen Gesellschaft wollte er am Mittwochabend im rappelvollen Asperger Torhaus dazu beitragen, "für das Faszinosum des Gebirgskrieges zu sensibilisieren", wie es der promovierte Historiker formulierte. "Krieg in den Alpen 1915 bis 1918. Das Deutsche Alpenkorps und württembergische Gebirgsformationen auf dem italienischen Kriegsschauplatz" lautete der Titel des Vortrags.

Anders als in Italien, Frankreich und Österreich-Ungarn, wo sich auf die Kriegsführung im Hochgebirge spezialisierte Einheiten schon ab den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts bildeten, sah man im Deutschen Reich erst nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Notwendigkeit für solche Truppen. 1914 waren in Bayern und Württemberg erste sogenannte Schneeschuhbataillone aufgestellt worden. Als Blaupause diente der Einsatz der württembergischen Gebirgsschützen an der Vogesenfront im Winter 1914/15. "Die Deutschen merkten schnell, dass es ohne spezialisierte Truppen nicht geht", so Jordan, der seit 2008 Direktor des Wehrgeschichtlichen Museums in Rastatt ist. Auch wenn die Vogesen kein Hochgebirge sind: "Die Erfahrungen waren nicht zu unterschätzen für den folgenden Einsatz in Tirol."

Dort sollte das Deutsche Alpenkorps ab 1915 das Heer des Bündnispartners Österreich-Ungarn unterstützen. Auch württembergische Soldaten - unter anderem aus Ludwigsburg - waren Teil der Einsatztruppen. Allerdings beteiligten sich die deutschen Einheiten erst im darauf folgenden Jahr an den Kampfhandlungen, nachdem das Deutsche Reich dem italienischen Königreich offiziell den Krieg erklärt hatte. Das Faszinosum des Gebirgskriegs liegt für Jordan nicht nur in den Kampfhandlungen selbst, sondern nicht zuletzt in dem unglaublichen organisatorischen Aufwand. Der Kampf um die Alpen erwies sich als logistisches Himmelfahrtskommando, in dem nicht nur Soldaten, sondern auch Ingenieure Höchstleistungen erbringen mussten. Truppenunterkünfte wurden in mehreren Tausend Meter Höhe ins Eis geschlagen oder auf abenteuerlichen Stelzenkonstruktionen angelegt, ganze Berge mit Tunnelsystemen durchzogen. Transport und Versorgung der Einheiten waren höchst problematisch und wurden häufig über ausgefeilte Seilbahnsysteme abgewickelt. "Die Logistik im Alpenkrieg forderte wohl so viele Todesopfer wie die Kampfe selbst", berichtete Jordan. [...] Der Krieg in den Alpen hat die Gebirgslandschaft nachhaltig verändert, auch durch massenhafte Sprengungen. "Die Berge wurden so durchlöchert und durchwühlt, dass man die Spuren wohl noch in 1000 Jahren sehen wird", lautet Jordans Fazit.

Ludwigsburger Kreiszeitung, 27.02.2015

Tränen sind überall gleich bitter

Sehenswerte Sonderausstellung über "Malerische Kriegsbilder" im WGM

Rastatt. Von unserem Mitarbeiter Rainer Wollenschneider

Was "Versöhnung über den Gräbern" bedeutet, das demonstrierten der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und Konrad Adenauer 1963 und später auch Francois Mitterrand und Helmut Kohl in Verdun. Das Ende der Erbfeindschaft zwischen Deutschen und Franzosen hatte aber eine lange Vorgeschichte und die wird am Beispiel des Ersten Weltkriegs vorbildlich in der Ausstellung des "Wehrgeschichtlichen Museums" (WGM) im Barockschloss Rastatt präsentiert.

Die Ausstellung von Direktor Alexander Jordan, die mit Mitarbeitern und Ehrenamtlichen realisiert wurde, läuft unter dem Titel "'Malerische' Kriegsbilder vom Hartmannsweilerkopf", ist aber viel mehr. In Kooperation mit dem französischen "Verein fur das Gedenken an die Schlacht von Moulin Caille" werden die Exponate so gezeigt, dass es bemerkenswert ist. Neben den geradezu romantischen Bildern des Kriegsmalers Martin Frost wird die ganze Härte der kriegerischen Auseinandersetzung, besonders im Elsass, vor Augen geführt.

Jerome Schreiber aus Frankreich betonte in seinem Grußwort zu der sehr gut besuchten Ausstellungseröffnung am Freitagabend: "Krieg gab es ab 1914 auch im Alltag. Blut hat immer die gleiche rote Farbe und Tränen auf beiden Seiten den bitteren Geschmack." Inzwischen verbindet die "Rheinländer" und Europäer eine grenzübergreifende Freundschaft, aber an vorausgegangenen Hass und Missverständnisse wollte er auch erinnern. Direktor Alexander Jordan dankte den französischen Partnern für die Exponate, besonders Figurinen, welche die zahlreichen Exponate aus den Beständen des WGM plastisch ergänzen können. So findet sich beispielsweise hinter Glas ein Dragoner mit Pferd in Lebensgröße und mehrere uniformierte französische Soldaten, aber auch ein deutscher Soldat mit der Pickelhaube.

Die momentane Präsentation im WGM zum Ersten Weltkrieg ist in das europäische Projekt "Europeana" eingebunden und füge sich nach Einschätzung von Alexander Jordan in das Netzwerk der Museen am Oberrhein in Deutschland, Frankreich und der Schweiz ein. Zum Thema Erster Weltkrieg kann das WGM neben der Dauerausstellung im Südflügel in mehreren Räumen und im Gang einiges bieten. So finden sich im ersten Raum die Bilder des Maler-Chronisten Martin Frost und im zweiten Dokumente zum Krieg am Hartmannsweilerkopf. Gezeigt werden Plakate und das Tagebuch des Rastatter 111ers, August Zwiffelhofers, mit authentischen Situationsschilderungen. Farbfotografien und 3 D-Aufnahmen des [...] Fotografen Hans Hildenbrand können den Arbeitstitel der Ausstellung untermauern. Schließlich geht es auch um die Folgen des Völkermordens, in dem Kriegsgräber gezeigt werden. [...]

Badische Neueste Nachrichten, 01.12.2014

Rastatter Delegation bei Ausstellungseröffnung in der Schweiz

Internationales Ausstellungsprojekt geht in seine Schlussrunde / Stimmungsvolle Gedenkfeiern zum Frieden von Baden 1714

Rastatt (red) - In Anwesenheit von Regierungsangehörigen des Schweizer Bundes und der Schweizer Kantone sowie von hochrangigen Diplomaten hat die Stadt Baden im Aargau des Friedensschlusses von 1714 gedacht. Unter den Festgästen waren auch Abordnungen aus den Friedensstädten Rastatt, Utrecht und Madrid. Neben dem Geschaftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Michael Hörrmann, gehörten der Rastatter Delegation unter anderem die Leiterin des Stadtmuseums, Iris Baumgärtner, und der Direktor des Wehrgeschichtlichen Museums, Dr. Alexander Jordan an. Sie verfolgten ein festliches Programm zum Jubiläum des 300-jährigen Friedensschlusses.

Ganz im Fokus stand die Stadt Baden als Zentrum der europäischen Friedensdiplomatie nach dem erfolgten Friedensschluss in Rastatt, also in der zweiten Hälfte des Jahres 1714. Das Programm begann mit einem zweitägigen, wissenschaftlichen Kongress [...]. Am Samstag schließlich wurde vom Kanton Aargau und der Stadt Baden ein großer Festakt mit Empfang ausgerichtet. Hauptrednerin beim Festakt in der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt war die Schweizer Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Sie erinnerte daran, dass der Friede heute selbstverständlich geworden, die Welt aber immer noch instabil sei, auch auf dem europäischen Kontinent. Jakob Kellenberger, ehemaliger Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), wies darauf hin, dass alle Parteien des Spanischen Erbfolgekrieges heute Mitglieder der Europäischen Union (EU) sind. Die EU sei das seit Jahrhunderten wichtigste und erfolgreichste Friedensprojekt. [...]

Höhepunkt für die Rastatter Museumskollegen war die Ausstellungsvernissage "Frieden verhandeln - Baden als Zentrum der europaischen Friedensdiplomatie 1714" auf der historischen Holzbrücke über der Limmat mit anschließendem Ausstellungsbesuch. Viele Objekte, die im Juni noch in Rastatt im Wehrgeschichtlichen Museum gezeigt wurden, sind nun in der Ausstellung in Baden zu sehen. [...]

Badisches Tagblatt, 10.09.2014

Dort verehrt und hier vergessen

Jordan blickte auf die ersten Toten des Kriegs


Der Leutnant Albert Otto Mayer auf deutscher und Korporal Jules-Andre Peugeot auf französischer Seite waren belegbar die ersten Soldaten, die im Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren ums Leben kamen. Mehr als neun Millionen - ohne die Zivilopfer - sollten folgen. Der Direktor des Wehrgeschichtlichen Museums (WGM) in Rastatt, Alexander Jordan, widmete sich diesem Ereignis nach der deutschen Mobilmachung am 1. August sowie der Kriegserklärung am 3. August 1914 in einem ausführlichen Referat, für das er detailliert recherchiert hatte.

Auch die militärhistorischen Schätze das WGM konnten herangezogen werden. So wurden in Vitrinen Originaldokumente und deutsche und französische Kopfbedeckungen aus dem Ersten Weltkrieg, sowie die Standarte des "Jägerregiments zu Pferde Nr. 5", stationiert im elsässischen Mülhausen, gezeigt. Letzterem gehörte der gefallene Mayer an. Das Aufeinandertreffen einer deutschen berittenen Patrouille mit französischen Soldaten im Ort Joncherey bei Belfort und nahe der Schweizer Grenze endete zunächst mit dem Tod des 21-jährigen Peugeot. Später starb der 20-jährige Mayer. WGM-Direktor Jordan machte deutlich, wie unterschiedlich die Franzosen und die Deutschen hinterher mit diesen ersten Kriegstoten umgingen.

So wurde André Peugeot wie ein Märtyrer behandelt. Man setzte ihm 1922 ein erstes Denkmal, das die deutschen Truppen 1940 zerstörten und die Franzosen 1944 wieder errichteten. Heute ist für den ersten französischen Toten des Ersten Weltkriegs in Joncherey ein monumentales Denkmal zu finden. Die Verehrung ging so weit, dass der Soldat, der Albert Mayer erschossen hatte, noch 1969 mit einem Orden ausgezeichnet wurde, wie Jordan herausfand.

Weniger spektakulär verlief dagegen die Geschichte des ersten deutschen Kriegstoten. Er wurde nach Umbettung auf dem Soldatenfriedhof im elsässischen Illfurth beigesetzt. Im Wehrgeschichtlichen Museum, so Alexander Jordan, wird zum Ersten Weltkrieg eine Vitrine im Foyer fortlaufend bis 2018 bestückt werden, quasi eine illustrierte Chronik der weltweiten kriegerischen Auseinandersetzung. Außerdem werden ab dem 29. November "Malerische Kriegsbilder" in einer Ausstellung zu den Kämpfen am Hartmannsweilerkopf im Elsass gezeigt.

Rainer Wollenschneider

Badische Neueste Nachrichten, 04.08.2014

Alexander Jordan bei Weltkrieg-Gedenken

WGM-Chef bei Feier mit Präsident Gauck zu Gast

Mit einer Gedenkzeremonie im Elsass haben Deutschland und Frankreich an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor genau 100 Jahren erinnert. Die beiden Präsidenten Francois Hollande und Joachim Gauck legten, wie berichtet, auf dem Hartmannsweilerkopf in den Vogesen einen gemeinsamen Kranz nieder und gedachten der Opfer des Krieges.

Als Gast des Honorarkonsuls der Republik Frankreich, Folker Zöller, nahm auch der Direktor des Wehrgeschichtlichen Museums Rastatt, Alexander Jordan an den Feierlichkeiten teil. "Es war eine ergreifende Zeremonie, besonders vor dem Hintergrund des Hartmannsweilerkopfes, der ja als Menschenfresserberg (la mangeuse d'hommes) in die Geschichte eingegangen ist."

Auf dem knapp 1 000 Meter hohen Berg verloren fast 30 000 Soldaten beider Seiten ihr Leben, einige Tausend von ihnen fanden ihre letzte Ruhe unweit des 1932 eingeweihten Nationaldenkmals. Dort soll nun ein 'Historial' entstehen. Die beiden Präsidenten legten zum Abschluss den Grundstein für dieses erste, gemeinsame, deutsch-französische Museum zum Ersten Weltkrieg, das 2017 eröffnet werden soll. Ein wichtiger und uberfälliger Schritt, wie auch der Rastatter Historiker Jordan findet. [...]

Badische Neueste Nachrichten, 05.08.2014

Kriegsgedenken folgt auf Friedensjubiläum

Wehrgeschichtliches Museum erinnert an 100 Jahre Erster Weltkrieg / Viele Leihanfragen anderer Häuser


Von Sebastian Linkenheil
Rastatt - Noch ist das Jubiläumsjahr "300 Jahre Rastatter Frieden" nicht zu Ende, doch die Exponate der Sonderausstellung im Wehrgeschichtlichen Museum haben sich auf den Weg in die Schweiz gemacht, wo sie in einer weiteren Friedensstadt - Baden bei Zürich - gezeigt werden. Bin bisschen wehmütig lässt WGM-Direktor Dr. Alexander Jordan diese Phase hinter sich, hat ihn doch das Thema Spanischer Erbfolgekrieg und Rastatter Frieden umgetrieben, seit er seine Stelle in Rastatt vor sechs Jahren angetreten hat. Ein anderes Gedenken beschäftigt ihn auch schon geraume Zeit: 100 Jahre Erster Weltkrieg.

Fast könnte man meinen, dass dieses Datum in Rastatt im Friedensjubiläumstrubel in den Hintergrund gerät, doch dem ist nicht so, wie Alexander Jordan im BT-Gespräch betont. Das WGM ist schließlich eines der bedeutendsten Militärmuseen der Republik. Klar, dass sich da schon seit weit über einem Jahr Leihanfragen für andere Ausstellungen zum Ersten Weltkrieg auf Jordans Schreibtisch stapeln und abgearbeitet sein wollen.

Das WGM verfügt über einen erheblichen Bestand an Objekten, die den Alltag an den Fronten des Weltkriegs illustrieren können. Eine Gasmaske fur ein Pferd zum Beispiel ging als seltenes Sück an die Große Landesausstellung "Fastnacht der Hölle" im Haus der Geschichte Stuttgart. Auch eine der zentralen Ausstellungen zum Thema in Österreich "Jubel & Elend. Leben mit dem groRen Krieg 1914-1918" in Schloss Schallaburg speist sich unter anderem aus den Rastatter Beständen an Reservistika. Ahnliches gilt für das Berliner Museum für Kommunikation, wo die Schau "Netze des Krieges. Kommunikation 14/18" ein Meldehalsband für Hunde zeigt, ausgeliehen vom WGM in Rastatt. Das Braunschweiger Landesmuseum freut sich über eine Weltkriegsuniform von Herzog Ernst August. Kleinere Ausstellungen von Geschichtsvereinen oder Regionalmuseen fragen ebenfalls an: Pickelhauben, Spaten, Gasmasken. Solche kleineren Relikte des großen Kriegs haben zurzeit Konjunktur.

Aber es ist nicht so, dass Alexander Jordan keine eigenen Sonderausstellungen zu bestücken hätte. Das Depot gibt dafür einiges her. Am 1. August eröffnet ein Kurzvortrag eine Foyerausstellung zu den beiden wahrscheinlich ersten Toten des Weltkriegs, Leutnant Mayer und Korporal Peugeot, die beim Gefecht von Joncherey bei Belfort schon am 2. August 1914 ums Leben kamen.

Hauptbeitrag zum Gedenkjahr ist die Sonderausstellung "Malerische Kriegsbilder vom Hartmannsweilerkopf - Krieg im Elsass 1914/15". Visuelle Medien und ihre Bedeutung für Informationsübermittlung und Propaganda werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Be-sonders die Fotografie, aber auch die Malerei wurden im großen Stil zur Beeinflussung der eigenen Bevölkerung, aber auch des neutralen Auslands eingesetzt. Was schon jetzt im Depot für die Ausstellung vorbereitet liegt, verspricht eine spannende und sehenswerte Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Ausstellung gehört zu den von der EU geförderten Projekten des eigens für 2014 gegründeten landerübergreifenden Netzwerks Museen (wir berichteten).

Das Wehrgeschichtliche Museum unterstützt ferner die Gedenkveranstaltung im südelsässischen Montreux-Jeune zur Erinnerung an das Gefecht von Willern (am 13. August 1914) und ist dazu jüngst eine Partnerschaft mit der Assoziation "Centenaire de la Bataille du Moulin de la Caille" eingegangen. Am 14. September wird Jordan bei der Jahresfeier der Traditionsgemeinschaft der Hohenzollern-Füsiliere am Obelisk auf dem Röttererberg die Gedenkrede halten. Das Jahr beschlieBt ein Beitrag aus der Reihe "Rastatter Vorträge zu Militär und Gesellschaft": Dr. Winfried Mönch berichtet von dem Fotografen Hans Hildenbrand, der den Ersten Weltkrieg in damals noch seltenen Farbfotografien dokumentierte.

Doch der Erste Weltkrieg wird das WGM nicht nur während des Jahres 2014 beschäftigen, kündigt Alexander Jordan an. Der Krieg selbst dauerte ja auch nicht nur ein halbes Jahr. An Beiträgen zum Thema für die Jahre bis 2018 arbeitet der WGM-Direktor schon jetzt.

Badisches Tagblatt, 24.06.2014

Sonderschau im WGM lockt rund 15 000 Besucher

Wanderausstellung zieht in die Schweiz / Schloss und Stadtmuseum widmen sich weiter dem Jubilaum


Rastatt (red) - 300 Jahre Frieden von Rastatt - das wird dieses Jahr nicht nur in Rastatt im Rahmen einer Ausstellung gefeiert, die im Wehrgeschichtlichen Museum (WGM) und im Residenzschloss Rastatt jetzt zu Ende ging. Bis zum Jahresende sind noch die Inszenierungen in den Prunkräumen des Schlosses und die Sonderausstellung zu regionalen Aspekten des Friedens im Rastatter Stadtmuseum zu sehen.

Die Ausstellung im Wehrgeschichtlichen Museum und die Inszenierung in der Beletage sorgten bei den Besuchern "für begeisterte Resonanz und bleibende Eindrücke", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Umsetzung des Themas am Originalschauplatz der Friedensverhandlungen und die Inszenierung des Figurenensembles hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Besonders erwähnenswert sei die hervorragende Kooperation mit dem Wehrgeschichtlichen Museum und der Stadt Rastatt, betont Michael Hörrmann, Geschaftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. "Wir sind sehr zufrieden darüber, dass es der Ausstellung so gut gelang, das Residenzschloss Rastatt als authentischen historischen Ort dieses für ganz Europa prägenden Ereignisses in den Fokus zu rücken." [...] Direktor Dr. Alexander Jordan vom Wehrgeschichtlichen Museum zieht ebenfalls eine positive Bilanz. Mit fast 15 000 Besuchern seien die Erwartungen übertroffen worden. "Es ist geglückt, das bisher kaum wahrgenommene Thema ,Frieden von Rastatt' einer breiten Besucherschicht spannend zu präsentieren. Nicht zuletzt haben dazu auch die vielfältigen Vorträge und Begleitveranstaltungen wie etwa der Deutsch-Französische Tag und der Schlosserlebnistag beigetragen."

Die Objekte der Ausstellung im Wehrgeschichtlichen Museum werden nun zu den jeweiligen Leihgebern zurücktransportiert. Ein groBer Teil der Objekte fährt in Begleitung eines Kuriers direkt nach Baden in der Schweiz. Dort wird am 7. September die Anschlussausstellung eröffnet.

Einige Besucher haben sich auch im Gästebuch verewigt: "Wir wussten gar nicht, dass wir so tolle und wunderschöne Schätze in Baden haben." "Großes Kompliment: gut strukturiert und gezielt informierend." "Bei der heutigen Europawahl die Ausstellung besucht. Hier wird einem ausführlich gezeigt, warum ein geeintes Europa so wichtig ist. Frieden bewahren geht nur vereint!" Auch das Stadtmuseum Rastatt beteiligt sich mit einer Ausstellung, Führungen und Vorträgen am Jahresthema "Frieden von Rastatt". [...]

Badisches Tagblatt, 20.06.2014

Erinnerung lebt weiter

Das WGM kooperiert mit Partnern aus dem Elsass

Während des deutsch-französischen Tages im Barockschloss Rastatt konnte das Wehrgeschichtliche Museum eine Kooperation mit französischen Partnern im südlichen Elsass eingehen. Vertreter der "Association pour le Centenaire de la Bataille du Moulin de la Caille" besprachen mit Museumsdirektor Alexander Jordan, wie man gemeinsam die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg lebendig halten kann.

Die französische Vereinigung hat sich dem Andenken an das Gefecht bei Willern (Moulin de la Caille) am 13. August 1914 verschrieben. Hierzu werden vom 8. bis 10. August [2014, Anm. d. Red.] verschiedene Veranstaltungen in den Städten Dannemarie, Magny, Romagny und Montreux-Jeune, östlich von Belfort, stattfinden, darunter eine Parade französischer Infanterietruppen, Ausstellungen und Konzerte. Für die Ausstellungen wird das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt Leihgaben zur Verfügung stellen, da an den Kämpfen 1914 besonders badische Truppen wie das Leibgrenadierregiment 109 (Karlsruhe) und das Infanterieregiment 110 (Mannheim) beteiligt waren.

Über die Grenzen hinweg soll der gemeinsamen Vergangenheit gedacht werden, so der Direktor der Association, Jerome Schreiber, der sich besonders freut, im Wehrgeschichtlichen Museum einen deutschen Partner gefunden zu haben. Diese Partnerschaft ergänzt die für 2014 geplanten Veranstaltungen im Rastatter Museum, so dessen Direktor Jordan. Anfang August wird ein Vortrag mit Originalobjekten die Erinnerung an die beiden ersten Kriegstoten in den F-kus nehmen, die 1914 unweit von Montreux-Jeune bei Joncherey gefallen sind. Im November dieses Jahres wird dann eine Ausstellung im WGM den Kriegsbeginn im Elsass und in den Vogesen 1914/15 thematisieren.

Badische Neueste Nachrichten, 08.05.2014

Rastatter Friede im Fokus

Historische Vortragsreihe im Residenzschloss

Rastatt (red) - Das Residenzschloss Rastatt ist der ideale Ort für einen Vortrag über den Spanischen Erbfolgekrieg: Seine zerstörerischen Nachwirkungen wurden mit dem Rastatter Friedensvertrag, unterzeichnet an eben diesem Ort, beendet. Der Direktor des Wehrgeschichtlichen Museums, Dr. Alexander Jordan, eröffnet mit seinem Vortrag "Der Spanische Erbfolgekrieg und seine Auswirkungen am Oberrhein" am Freitag, 21. Marz, um 19 Uhr eine Vortragsreihe, die im Rahmen der Ausstellung zum 300-jährigen Jubiläum des Friedensvertrags stattfindet.

Der ausgewiesene Kenner der historischen Situation beleuchtet einer Ankündigung zufolge die epochale Bedeutung dieses Friedens - und die Leiden, die die Bewohner am Oberrhein während des Krieges auf sich nehmen mussten. Sieben Jahre nach dem Tod des Markgrafen beendete der Frieden von Rastatt, unterzeichnet in seinem Residenzschloss, 1714 die verheerenden Kriege und leitete eine Epoche des Friedens ein. An das 300-jährige Jubilaum dieses bedeutenden Friedensvertrags erinnert die Ausstellung "Frieden für Europa" - und das wichtigste Exponat ist das Schloss selbst, der originale Ort der Friedensverhandlungen.

Das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt und die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg erinnern an diesen Meilenstein europäischer Geschichte in einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt, an dem neben Rastatt auch die "Friedensstadte" Utrecht und Baden in der Schweiz sowie Madrid beteiligt sind (wir berichteten). Rund zwei Jahre lang reisen dafür Exponate internationaler Leihgeber durch Europa. Im Residenzschloss Rastatt ist der "Frieden fur Europa" bis 15. Juni nachzuerleben.

Weitere Vortrage im Rahmen der Ausstellung:

 

  • "Die ,schöne Ordnung' der Landschaft. Residenzanlagen am Oberrhein nach dem Rastatter Frieden" mit Prof. Dr. Hartmut Troll von den Staatlichen Schlössern und Gärten am 9. Mai [...].
  • "Die Friedensschlüsse in Utrecht - Rastatt - Baden. Überblick und Einblick in ein multinationales Ausstellungsprojekt" mit Prof. Dr. Renger de Bruin (Centraal Museum Utrecht) 3. Juni [...].
  • "Rare Künstler aus vieler Herren Lander. Das ,sumptuose' Residenzschloss in Rastatt" mit Prof. Dr. Ulrike Seeger am 27. Juni [...].

Badisches Tagblatt, 18.03.2014

Friedensfanfare in der Nacht

Gäste des Festakts ziehen unter Glockengeläut zum Schloss

Rastatt. Von unserem Redaktionsmitglied Michael Janke

Gestern Vormittag war von allem schon nichts mehr zu sehen. Emsige städtische Arbeiter entfernten die Fahnenmasten, der Marktplatz wurde gekehrt - der Festakt zur Unterzeichnung des Rastatter Friedensvertrags ist Geschichte. So schnell kann es gehen, hatten doch noch am Vorabend die Festgäste einiges von Historie, Frieden und Europa gehört.

Viel Zeit nahmen sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Bernhard Prinz von Baden im Barockschloss und dem Wehrgeschichtlichen Museum. Unter Glockengeläut zogen sie vom Festakt in der Stadtkirche zum Schloss, der Pflasterweg im Hof war stimmungsvoll gesäumt von Flämmchen - und vom Balkon aus schickte das Fanfarencorps Türkenlouis seine Friedensklänge in die Nacht. Es war genau die Nacht vom 6. auf den 7. Marz, in der vor 300 Jahren der Friedensvertrag unterzeichnet wurde, mit dem der grausame spanische Erbfolgekrieg ein Ende fand.

Die im Windschatten des Landesvaters, der Königlichen Hoheit und des Oberbürgermeisters   flanierenden   Regionalpolitiker hatten manche Stresssituation zu bewältigen, um sich möglichst oft, möglichst nah und möglichst gut sichtbar für alle Fotografen in Szene zu setzen. Beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt bauten sie sich allesamt hinter Kretschmann auf - und ließen den Prinzen im Abseits stehen. Dieser hinterlieB der Barockstadt ein schones Bekenntnis: "In alter Verbundenheit mit der Stadt meiner Ahnen", ist in dem ehrwürdigen Buch jetzt zu lesen.

Der Ministerpräsident verfasste einen leidenschaftlichen Appell für den Frieden in Europa. Beeindruckt waren die Honoratioren von den Ausstellungen, die den Friedensschluss historisch einordnen und die Vertragsverhandlungen szenisch nachstellen.Ein groBer Teil der rund 600 Gäste vom Festakt folgten ins Schloss, dort gab es Häppchen und Getränke. Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch war angesichts des guten Verlaufs sichtlich in seinem Element und wirkte im Laufe des Abends immer ausgelassener.Für reichlich Gesprächsstoff sorgten die Komposition von Thomas Hofmann und der Vortrag der Philosophin Margaretha Huber - beides war zuvor in der Kirche zu hören.

Badische Neueste Nachrichten, 08.03.2014

Viele Kugeln weisen den Weg zum Frieden

Kuriere bringen seltene Ausstellungsstücke

Rastatt. Von unserem Redaktionsmitglied Heike Schaub

Die Kugeln liegen einträchtig nebeneinander im Sand: Kugeln für Kanonen, Flinten und Kartätschen, die bayerische Sammler aus den Äckern bei Höchstädt gepflügt haben. Am 13. August 1704 wurde dort die entscheidende Schlacht im Spanischen Erbfolgekrieg geschlagen. "Wir haben lange diskutiert, wie wir die Grausamkeit des Krieges darstellen können", verweist der Leiter des Wehrgeschichtlichen Museums, Alexander Jordan, auf die Entscheidungsschlacht, in die über 110 000 Soldaten verwickelt waren.

Knapp eine Woche vor Eröffnung der multinationalen Ausstellung "Frieden für Europa - 300 Jahre Rastatter Frieden", die in Kooperation mit den Staatlichen Schlösser und Gärten stattfindet, ist diese Installation bereits fertig: Ein menschlicher Schädel prangt neben dem Unterkieferknochen eines Pferdes. Im präparierten Sand liegen Gürtelschnallen und medizinische Feldscher-Instrumente. Dass so ein Krieg nicht nur Menschenleben, sondern auch einen Haufen Geld kostete, symbolisiert eine Geldkarre der Amsterdamer Börse aus der königlichen Sammlung der Niederlande. "Amsterdam war die Börse des 18. Jahrhunderts", so Renger E. de Bruin, Konservator des Centraal Museums in Utrecht, wo die Ausstellung bereits stattfand. Mit einem Lkw hat de Bruin am Donnerstag die Ausstellungsobjekte aus Madrid antransportiert, wo die Ausstellung ebenfalls schon gezeigt wurde. Für die dritte Station in Rastatt sind dagegen die Vorbereitungen noch in Gange: Es werden Informationstafeln und Bilder aufgehängt, Folien geklebt und noch müssen viele Vitrinen bestückt werden. "Wir haben ja noch das Wochenende vor uns", meint ein Mitarbeiter lakonisch. Gestern wurde auch schon ein Verhandlungstisch aus dem damaligen Utrechter Rathaus aufgebaut.

Am Donnerstag brachte ein belgischer Kurier bereits den Kinderharnisch des fünfjährigen Enkels von Kaiser Leopold I., der als Kompromisskandidat vorgeschlagen wurde, aber früh verstarb. "Ein wunderbares Stück", freut sich Jordan über die Leihgabe aus dem königlichen Armeemuseum.

Badische Neueste Nachrichten, 01.03.2014

Barockstadt einst kurze Zeit "Nabel der Welt"

Neujahrsempfang der Sozialdemokraten im Gartensaal des WGM steht ganz im Zeichen des "Rastatter Friedens"

Vor 300 Jahren war die Barockstadt für kurze Zeit der "Nabel der Welt". Ganz im Zeichen des "Rastatter Friedens" von 1714, mit dem außer dem Spanischen Erbfolgekrieg auch eine hundertjährige Periode der Religions- und Hegemonialkriege in Europa beendet und ein "Frieden für Europa" erreicht wurde, stand am Sonntag der Neujahrsempfang der Rastatter Sozialdemokraten.

Nachdem der stellvertretende SPD-Ortsvereinsvorsitzende Louis Reiß rund 30 Gäste im Gartensaal des Wehrgeschichtlichen Museums (WGM) begrüßt hatte, führte Museumsleiter Alexander Jordan kurz ins Thema ein und gab einen Überblick über die in diesem Jahr anstehenden Ausstellungen. "Das WGM ist ein wunderbarer Ort, um sich diesem Thema zu nähern", betonte Jordan und erklärte mit Blick auf die vom 7. März bis 15. Juni im Residenzschloss gezeigte Ausstellung "Friedensstädte. Die Verträge von Utrecht, Rastatt und Baden 1713 bis!714" (Eröffnung am 6. März), dass es sich bei dem Ausstellungs-Projekt um eine "Kooperation in europäischem Rahmen" handele. Die in den Jahren 1713/1 in harten Verhandlungen erzielten Friedensschlüsse von Utrecht, Rastatt und Baden seien die Grundlage gewesen für "eine lange Zeit des Friedens in Europa". In der Beschäftigung mit dieser Zeit könne man sehen, "welch große Bedeutung der Frieden hat und wie kräftig daran gearbeitet werden muss". Ein weiteres "Jubiläum", dem man sich in diesem Jahr widmen werde, sei der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren.

"Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts." Mit diesen Worten des "Friedenskanzlers" und Friedensnobelpreisträgers Willy Brandt läutete SPD-Stadtrat Gunter Kaufmann einen Lichtbildvortrag zum "weltweit ausgetragenen Spanischen Erbfolgekrieg" ein. Er beleuchtete darin unter anderem die Rolle des 1704 in der Schlacht am Schellenberg bei Donau-wörth schwer verwundeten und 1707 seinen Verletzungen erlegenen Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden. Auch verwies Kaufmann auf die historische Bedeutung der Friedensschlüsse und das "europäische Gleichgewicht", das sich nach Abschluss der Verträge eingestellt habe. Ein kurzes Grußwort sprach der SPD-Fraktionschef im Rastatter Gemeinderat, Joachim Fischer.

Badische Neueste Nachrichten, 07.01.2014

Rastatter Exponate in Madrid

Ausstellung "Friedensstädte 1713/14" gastiert jetzt in Spanien

Rastatt/Madrid (red) - Das intereuropäische Ausstellungsprojekt zum Ende des Spanischen Erbfolgekriegs vor 300 Jahren geht in die zweite Runde. Die Rastatter Exponate des Wehrgeschichtlichen Museums (WGM) sind nach der Eröffnungsausstellung im niederländischen Utrecht nun in die spanische Hauptstadt gereist.Die vier europäischen Städte Utrecht, Rastatt, Madrid und Baden gestalten im Rahmen des gemeinsamen Ausstellungsprojektes „Friedensstädte 1713/14" jeweils einen länderspezifischen Schwerpunkt (wir berichteten).

Dieser Tage wurde in Madrid die spanische Ausstellung eröffnet. Die Fundacion Carlos de Amberes in Madrid zeigt in ihrer Schau die Geschichte der spanischen Monarchie und der Vorherrschaft des französischen „Sonnenkönigs" Ludwig XIV. Die 74 Exponate (Gemälde, Stiche, Verträge und Medaillen), die aus sieben Ländern stammen, verweisen auf die europäische Dimension des Spanischen Erbfolgekriegs. So steht auch die Madrider Ausstellung unter dem Patronat des spanischen Königs Juan Carlos I. und dem König der Niederlande, weiß Dr. Alexander Jordan, Direktor des Wehrgeschichtlichen Museums in Rastatt. Er war bei der Eröffnung dabei und berichtet aus Madrid: „Es ist eine schlicht inszenierte, aber gelungene kunsthistorische Schau, bei der die Exponate im Zentrum stehen. Die Ausstellung kommt mit wenig Text aus. Es sind die zahlreichen historischen Stiche, die vom Konflikt erzählen und die zeitgenössische Sicht der Kriegsparteien anschaulich umreißen. Für das Wehrgeschichtliche Museum ist es eine einmalige Gelegenheit, als Teil dieses europäischen Kulturprojekts, die Bedeutung Rastatts über die Landesgrenzen hinaus bekanntmachen zu können."

Der spanische Außenminister Jose Manuel Garcia-Margallo und der Verteidigungsminister Pedro Morenes eröffneten die Ausstellung mit einem Eintrag ins goldene Buch. Aus Rastatt sind eine Friedensmedaille und ein Kupferstich zu sehen, auf welchem die Verkündung des Friedens von Rastatt abgebildet ist. Die Exponate reisen anschließend zusammen mit weiteren Obekten wieder nach Rastatt zurück. Dort wird ab März die Ausstellung "Frieden für Europa", die vom Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt und den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württembergs getragen ist, zu sehen sein. Ende Juni wird dann ein Großteil der hier gezeigten Objekte in die Schweiz transportiert. Die Ausstellung in Baden startet im September 2014 und bildet den Abschluss der musealen Reise durch Europa.

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1713) ging es um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers, Karl II. von Spanien. Diese zwölfjährige Abfolge von militärischen Konflikten wird auch als "erster Weltkrieg der Mächte Europas" bezeichnet. Die Friedensschlüsse, welche in Utrecht, Rastatt und Baden stattfanden, etablierten erstmals Ansätze eines dauerhaften Gleichgewichts der Kräfte in Europa.

Badisches Tagblatt, 27.12.2013

Das Eiserne Kreuz in der deutschen Geschichte

Wehrgeschichtliches Museum Rastatt lädt zu Vortrag und kleiner Vitrinenpräsentation

Rastatt (red) - Im Jahr 2013 jährt sich die Stiftung des Eisernen Kreuzes zum zweihundertsten Male. Aus diesem Anlass lädt das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt morgen, 17. Oktober, um 18.30 Uhr zu einem Vortrag von Dr. Guntram Schulze-Wegener ein. "Das Eiserne Kreuz in der deutschen Geschichte" lautet der Titel. Der Vortrag wird durch einige ausgewählte Objekte in einer kleinen Foyerausstellung ergänzt.

Das Eiserne Kreuz nimmt eine besondere Stellung in der Geschichte der militärischen Ehrenzeichen der verschiedenen deutschen Armeen ein. Noch heute begegnet den Soldaten der Bundeswehr täglich das Eiserne Kreuz als Hoheitsabzeichen auf den Fahrzeugen der Bundeswehr. Es ist seitlich beispielsweise am Turm der Panzer oder Luftfahrzeuge angebracht. Mit der erstmaligen Verleihung der neuen Tapferkeitsauszeichnungen durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Franz Josef Jung im Juli 2009 - verliehen an vier Soldaten, die in Afghanistan nach einem Selbstmordanschlag verletzten Soldaten und Kindern geholfen hatten - kam das Eiserne Kreuz wieder vermehrt ins Gespräch. Während die einen in der Auszeichnung die längst fällige Anerkennung für Soldaten sehen, die vorbildlich ihr Leben für Deutschland riskieren, erkennen Kritiker in der neuen Form und Gestaltung der Auszeichnung eine Anlehnung an das Eiserne Kreuz, das vor allem durch seine Verwendung im Dritten Reich berüchtigt ist. Eine optische Ähnlichkeit mit dem Eisernen Kreuz ist der neuen Auszeichnung nicht abzusprechen - findet sich allerdings auch bei anderen, aktuellen deutschen Auszeichnungen.

Dabei ist die Stiftung des Eisernen Kreuzes und seine Tradition eine durchaus unproblematische, so die Einschätzung des Wehrgeschichtlichen Museums in Rastatt: Als 1813 in Deutschland die allgemeine Erhebung gegen die napoleonische Herrschaft begann, stiftete der preußische König Friedrich Wilhelm III. einen besonderen Orden, das Eiserne Kreuz (genannt EK). Dies erfolgte in Verbindung mit dem symbolträchtigen Datum des 10. März 1813, dem Geburtstag der preußischen Königin Luise, die schon 1810 verstorben war und als große Förderin des Freiheitskampfs der Deutschen galt.

Im Gegensatz zu dem 1740 von Friedrich dem Großen gestifteten Tapferkeitsorden „Pour le merite", der Offizieren für Verdienste vor dem Feind vorbehalten war, konnten mit dem Eisernen Kreuz Offiziere, Unteroffiziere und einfache Soldaten ausgezeichnet werden. So erwarb sich dieses 1813 bis 1815 verliehene Ehrenzeichen schon während der Befreiungskriege höchsten Respekt. Erneuert wurde die Stiftung „bei erklärter Gefahr für das Vaterland", etwa am 19. Juli 1870 bei Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs und am 5. August 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Am 1. September 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde das Ordensstatut erneut in Kraft gesetzt. Neben dem EK I und EK II gab es als höchste Stufe das am Hals getragene sogenannte Ritterkreuz.

Mit dem Untergang der nationalsozialistischen Diktatur 1945 erlosch die Verleihung des Eisernen Kreuzes. In der Bundesrepublik wählte man als Hoheitszeichen der 1956 gegründeten Bundeswehr das schwarz-weiße Kreuz, welches anders als das Balkenkreuz der Wehrmacht, noch stärker an die Auszeichnung von 1813 erinnert und verwies auf die „identitätsstiftende Tradition". Das Eiserne Kreuz ist also eine Auszeichnung mit starker Präsenz und hoher Aktualität, so die Mitteilung des Wehrgeschichtlichen Museums.

Badisches Tagblatt, 16.10.2013

Sonderausstellungen zum Ersten Weltkrieg

Projekt zusammen mit Stadtmuseum und WGM

Das Stadtmuseum Rastatt und das Wehrgeschichtliche Museum beteiligen sich im kommenden Jahr mit zwei Sonderausstellungen an einem länderübergreifenden Projekt anlässlich der Erinnerung an „ 100 Jahre Erster Weltkrieg". Die Vorbereitungen dafür laufen bereits. Vertreter der beiden Rastatter Museen haben dazu an einer Tagung des Netzwerks Museen teilgenommen.Im Stadtmuseum Rastatt wird von Mitte September 2014 bis Ende Januar 2015 im wieder zugänglichen Gewölbekeller die Kabinettausstellung "Steh' ich in finst'rer Mitternacht' - Bildpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg" zu sehen sein. [...]

Das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt präsentiert von Ende November 2014 bis Ende April 2015 die Sonderausstellung "Malerische' Kriegsbilder vom Hartmannsweilerkopf - Krieg im Eisass 1914/15", die sich mit dem Kriegsbeginn im Elsass und mit den Ereignissen rund um die hart umkämpften Gipfel des Hartmannsweiler- und des Lingekopfes beschäftigt. Nach diesem von der Europäischen Union geförderten Projekt werden auch in den Folgejahren im Wehrgeschichtlichen Museum weitere Veranstaltungen und Ausstellungen zu Themen rund um den Ersten Weltkrieg zu sehen sein.Neben den Ausstellungen zum Ersten Weltkrieg möchte das Netzwerk alle drei bis vier Jahre aufeinander abgestimmte Ausstellungen zu einem gemeinsamen Oberthema zeigen. Ziel ist es, unterschiedliche nationale, lokale und thematische Blickwinkel aufzuzeigen.

Badische Neueste Nachrichten, 05.10.2013

Propaganda mit "Pressezeichner"

Im Rahmen der "Rastatter Vortrage zu Militär und Gesellschaft" wird der Stuttgarter Historiker Winfried Mönch am Mittwoch, 31. Juli, um 18.30 Uhr im Wehrgeschichtlichen Museum einen Vortrag über „Das Bild eines erbeuteten britischen U-Boots in der deutschen Propaganda des Zweiten Weltkriegs" halten.Während des Zweiten Weltkrieges hatte ein britisches U-Boot kapituliert und war in deutsche Hände gefallen. Einerseits wird im Vortrag auf dieses Geschehen eingegangen, anderseits wird auf eine Gruppe von heute nicht mehr existierenden Medienschaffenden verwiesen, die „Pressezeichner". Ein besonders eigentümliches Bild ist im Bestand des Wehrgeschichtlichen Museums.

Badische Neueste Nachrichten, 19.07.2013

Militärgeschichte im gesellschaftlichen Kontext

Frauen Union im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt

Heiß begehrt war der junge Soldat aus dem 18. Jhdt. bei einer wissbegierigen Gruppe der Frauen Union Baden-Baden mit ihrer Vorsitzenden Beate Wirth beim Besuch des Wehrgeschichtlichen Museums Rastatt unter der goldenen Monumentalstatue des Jupiter hoch oben auf dem Schloss. Fritz Maulbetsch, kenntnisreicher ehrenamtlicher Führer, begleitete die Teilnehmer durch den rechten Flügel der 1698 -1705 erbauten prachtvollen Barockresidenz des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, des legendären "Türkenlouis". Hier wurde das 1934 gegründete Wehrgeschichtliche Museum 1956 untergebracht, das mit seinen Exponaten, Sammlungen, Dokumentationswänden u.v.a.m. zu den führenden militärhistorischen Museen Deutschlands gehört.
[...] Die Militärgeschichte wird hier in einen gesellschaftlichen Kontext von Politik und Staat, Sozial- und Wirtschaftswesen, der Technikgeschichte bis hin zum Ersten Weltkrieg eingebunden, so dass wir die Freiheit haben, die Hintergründe und Konflikte auch kritisch anzugehen und daraus zu lernen, so Maulbetsch. Dem überlieferten Ausspruch Prinz Eugens, ".....dass aller Krieg eine Torheit sey", der mit dem am 6. März 1714 in Rastatt geschlossenen Friedensvertrag die Spanischen Erbfolgekriege beendete (nächstes Jahr wird 300 Jahre Friede zu Rastatt gefeiert) und nun die Voraussetzungen für das Aufblühen der Kulturlandschaft mit seinen Schlössern und Burgen rechts und links des Rheins schuf, schlossen sich die Teilnehmerinnen aus tiefster Überzeugung an. Nach einem Schlusswort von Stadträtin Wirth und dem Dank an Fritz Maulbetsch klang der bereichernde Nachmittag bei einem Kaffee in der Pagodenburg aus.

Kurstadt-Magazin/ Kurstadt-Nachrichten KW 15, 2013

„Tag der Militärmusik" im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt/ Sonderausstellung eröffnet

Zeit des bunten Rocks zum Leben erweckt


Rastatt (rw) - Seit etwa zehn Jahren kann das Wehrgeschichtliche Museum (WGM) im Südflügel des Barockschlosses eine Studiensammlung zur Militärmusik anbieten, zu der auch ein 56 Seiten starker Katalog erschienen ist. Den "Tag der Militärmusik", verbunden mit der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Militärmusik, nahm WGM-Direktor Dr. Alexander Jordan zum Anlass, eine Sonderausstellung für die nächsten Monate anzubieten.
Bei der Präsentation „Militärmusik in Baden zur Zeit des bunten Rocks bis 1914" hatte Jordan den Spezialisten Dr. Ernst-Heinrich Schmidt an seiner Seite, der als Kurator für die Gestaltung zuständig war. So herrschte auch ein enormer Andrang bei der Ausstellungseröffnung im Gartensaal mit vielen Stehplätzen, wobei mancher historisch Uniformierte einen besonderen Farbtupfer abgab.
Jordan wies auf die Vielseitigkeit der Regimentsmusik hin, an der bis zum Ersten Weltkrieg bei Platzkonzerten auch die Rastatter Bevölkerung Anteil nahm. Gedankt wurde bei der Entstehung der Ausstellung auch dem Rastatter Stadtarchiv und dem Sammler Michael Feik. Zudem dankte Jordan vielen ehrenamtlichen Helfern und dem Freundeskreis des WGM. Schmitt wies auf eine Neuerung bei der Präsentation hin. So habe man sich als Ergänzung zur plastischen Studiensammlung auf "Flachware" beschränkt, Fahnen mit Bildern und kurzen erläuternden Texten. Dazu komme die Möglichkeit, mittels Knopfdruck über 20 Tondokumente abzurufen.
Die Präsentation im zweiten Obergeschoss des WGM ist zweigeteilt. Einmal geht man auf die Militärmusik des 14. Armeekorps, vor allem die 109er ein, dann erfahren die Rastatter Stammregimenter bis 1918 eine Würdigung. Manche seltene Aufnahme wird gezeigt. Star dabei: Der Obermusikmeister Karl Heusser vom Regiment 111. Jedenfalls laden die reproduzierten Aufnahmen, Dokumente und Plakate zum Studieren ein.
Etwas ganz Besonderes waren die beiden Konzerte des "Traditionskorps 1. Garde-Regiment zu Fuß" (Tambour-Corps Grün-Weiss Bonn/Oberkassel). Vor der prächtigen Kulisse der ehemaligen Barockresidenz wurde einmal allgemeine militärische Literatur, dann sehr viel Badisches geboten. Dazu gehörten unter anderem der "Marsch Infanterie Regiment Großherzog Friedrich von Baden", "Vivat Badenia" und der "Lützower Marsch". Spielleute und Musikkorps beendeten ihren Auftritt beklatscht vom Publikum mit "Preußens Gloria" und vor dem Auszug aus dem Schlosshof mit der deutschen Nationalhymne.

Badisches Tagblatt, 17.09.2012

Wenn Schiffe baden gehen

Sonderausstellung zur "Wilhelminischen Marine" im Wehrgeschichtlichen Museum


Einen im ersten Moment ungewöhnlichen Beitrag zum Jubiläum "900 Jahre Baden" kann das Wehrgeschichtliche Museum (WGM) in der Rastatter Barockresidenz anbieten. "Namen - Bilder - Schatten" ist die Präsentation einer Sonderausstellung von "Sahnestücken" der Marine im deutschen Kaiserreich bis 1918 überschrieben, die noch bis zum 28. Oktober zu besichtigen sein wird.
Mit sehr viel Liebe zum Detail wurde in drei Räumen, ergänzt durch Ausnahmeexponate von Sammlern, zusammengestellt, was einmal mehr demonstrieren kann, welche Schätze WGM-Direktor Alexander Jordan in seinen Sammlungen bereithält. Bei der Ausstellungseröffnung im Ahnensaal stellte Jordan die Bezüge zu Baden und Württemberg und der Marine her. So gab es durch Namenspatenschaft im Kaiserreich Kriegsschiffe, die auf "Karlsruhe", "Stuttgart", "Markgraf", "Zähringen" und "Baden" getauft worden waren.
Guntram Schulze-Wegener hatte fundiert, leider abseits von landesbezogenen Bemerkungen, in die Geschichte von "Die Kaiserliche Marine 1871 bis 1919" ausführlich eingeführt und deutlich gemacht, wie "Seemacht = Weltmacht" und "Schlachtflotte = Machtflotte" gewesen war. Dazu gibt die Ausstellung des WGM zahlreiche, sehenswerte Belege. Eine enorm wertvolle Ergänzung dazu ist der fast 150 Seiten starke Katalog zur Ausstellung, erfreulich bebildert, mit einer besonders ergiebigen Bibliografie versehen. Eine Arbeit von Alexander Jordan, die exemplarisch nach außen sein dürfte.
Beim Durchgang durch die Ausstellung fällt zunächst das attraktive Modell einer Kreuzerfregatte auf, die als Schulschiff um 1900 genutzt worden war. Modelle der Schiffe "Baden" und "Zähringen" können ebenso begeistern, wie das der "SMS Karlsruhe". Nach dem Stapellauf 1914 war das Kriegsschiff schon 1916 versenkt worden. Zum Verweilen und Studieren laden die Exponate zur Marinegeschichte ein, die Namen mit baden-württembergischen Bezügen in einen allgemeindeutschen Zusammenhang stellen. Blickfänge sind dabei auch die zahlreichen Postkarten und Fotografien, welche Alexander Jordan aus dem Bestand der Sammlung des Wehrgeschichtlichen Museums in Rastatt herauszaubern konnte.
Rainer Wollenschneider

Badische Neueste Nachrichten, 30.07.2012

Zeitreise für echten Rastatter ein Muss

Vom Markgraf bis zur Urversion des Badner Lieds im Karlsruher Landesmuseum


Noch bis zum 11. November ist im Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloss die Sonderausstellung "Baden! 900 Jahre - Geschichte eines Landes" zu sehen. Für einen "echten" Badener ist die Zeitreise durch die Jahrhunderte ein Muss, zumal für einen eingefleischten Rastatter.
Natürlich dürfen Ausstellungsstücke zum "Retter des Abendlandes", Markgraf Ludwig Wilhelm, nicht fehlen. Dazu gehört eine seltene Allegorie zu dessen Tod 1707 und ein anschauliches Diorama über die Schanzenanlage der Stollhofener oder Ettlinger Linien. Zudem findet sich ein Original von Domenico Egidio Rossi, auf dem das Jagdschloss als Vorgänger der späteren Rastatter Barockresidenz dargestellt ist. [...]
Die Erinnerung an die Revolution der Demokraten von 1849 wurde etwas in die Ecke gedrängt. Man beschränkt sich auf Weniges wie ein Bild des Malers Friedrich Kaiser, einem Foto des Denkmals für die standrechtlich Erschossenen in Rastatt, einer Liste mit den Urteilen der Standgerichte und eine "brutale" Kampfsense. Dafür ist die Nische mit Erinnerungsgegenständen zu Heinrich Hansjakob ein Hingucker: Von dem Mann, der nicht nur als Schüler am Rastatter Lyzeum seine Spuren hinterlassen hat, ist sein legendärer schwarzer Hut im Original zu sehen. Dieser war das Symbol für den kämpferischen Dichter und Kirchenmann. Unweit von Hansjakob erhielt die Rastatter Entdeckung des Jahres, die Urversion des Badner Liedes von 1896, einen Ehrenplatz neben einer sehenswerten Wand mit Kuckucksuhren. Zudem hat Alexander Jordan vom Wehrgeschichtlichen Museum einen Reservistenkrug mit einem Motiv der ehemaligen Ludwigsfeste beigesteuert.
Rainer Wollenschneider

Badische Neueste Nachrichten, 07.07.2012

"Badner Lied" mal ohne Festung

Frühestes Exponat von 1896 aus WGM-Sammlung ab 3. Mai im Foyer


Von unserem Redaktionsmitglied Heike Schaub
Rastatt. Das Badner Lied gilt als inoffizielle Landeshymne, wird vor Fußballspielen im KSC-Stadion oder bei kulturellen Veranstaltung wie beim Festakt zum 60-jährigen Jubiläum Baden-Württembergs im Ahnensaal angestimmt: Da trifft es sich gut, dass das Wehrgeschichtliche Museum im Jubiläumsjahr "900 Jahre Haus Baden" das bis heute älteste bekannte publizierte Exemplar des "Badner Lieds" aus dem Jahre 1896 entdeckt hat - es ist damit zehn Jahre früher veröffentlicht als bekannt.
"Ein Knaller", wie sich der gebürtige Bayer und seit knapp vier Jahren Leiter des WGM, Alexander Jordan, im BNN-Gespräch freut. Als Wahl-Rastatter weiß er mittlerweile um den Stellenwert des früheren Soldatenliedes, das er beim "Durchackern" für die Landesausstellung in Karlsruhe in einer Sammlung für Marschlieder gefunden hat. In dem unscheinbaren Liederheftchen aus dem Jahr 1896 ist zum 16. Badischen Pioniertag in Heidelberg die Erstveröffentlichung des "Badner   Liedes"   enthalten.
Bisher ging man davon aus, dass die Erstveröffentlichung in den "Marschliedern des 5. Badischen Infanterie-Regiments Nr. 113" von 1906 erfolgte.Das Exemplar von 1896 hält für die Rastatter wie auch die Karlsruher und Mannheimer allerdings einen kleinen Wermutstropfen bereit: Weder die Festung und die Residenz noch die Fabrik werden erwähnt. Die besondere Stellung des Militärs und die Verbindung mit der Bevölkerung kommt nach Einschätzung von Alexander Jordan aber bereits in der frühen, dreistrophigen Version zum Ausdruck: "Der Bauer und der Edelmann, Das liebe Militär, Sie schau'n einander freundlich an, Und das ist Goldes Werth...". So soll das Lied bereits um 1900 weit verbreitet gewesen sein und die Integration des Militärs in die Zivilbevölkerung zeigen.
Endgültig von der badischen Bevölkerung als inoffizielle Landeshymne adaptiert wurde das Badner Lied, das auf das "Sachsenlied" um etwa 1857 zurück geht und zwischen 1870 und 1885 entstanden sein soll, als es von Kriegsheimkehrern 1918 mit nach Hause gebracht wurde. Noch heute wird das Lied oft gespielt und es gibt zahlreiche Neu- und Umdichtungen wie etwa anti-schwäbische Zusatzstrophen, die auf die umstrittene Vereinigung von Baden und Württemberg 1952 zurückgeht.
Das Exponat ist ab Donnerstag, 3. Mai, im Foyer des WGM zu sehen, bevor es Ende Mai als Leihgabe an das Badische Landesmuseum Karlsruhe für die Große Landesausstellung "Baden! 900 Jahre" geht.

Badische Neueste Nachrichten, 28.04.2012

Lützower besuchen die "Festung"

"Kommandeure" der historischen Gruppen kommen in schwarz-rot-goldener Uniform nach Rastatt


Der Leiter des Wehrgeschichtlichen Museums (WGM) im Rastatter Schloss bekommt immer wieder einmal Anfragen und Besuche von Traditionsvereinen. Ein ganz besonderer Besuch fand am Samstag statt, als über 15 Kommandeure und Vorsitzende von "Lützower"-Vereinigungen, der Einrichtung in der Barockresidenz einen Besuch abstatteten.
Die Köpfe der Vereinigungen mit über 800 Mitgliedern in ganz Deutschland trafen sich am Wochenende in Eichstetten am Kaiserstuhl und ihnen war Rastatt eine Reise wert. Das Besondere daran war, dass man dem Original von 1813 nachempfundene Uniformen und Ausrüstungsgegenstände trug.
Den "Lützowern", die in den Befreiungskriegen gegen Napoleon kämpften, sind auch die deutschen Farben, schwarz-rot-gold zu verdanken. Diese rühren von der schwarzen Uniform, den roten Einfassungen und den goldenen Knöpfen her. Der Leiter der Besuchergruppe, Lützower-Hauptmann Tobias Warmut, begründete den Rastattbesuch auch damit, dass hier in der Zeit zwischen 1888 und 1910 das Infanterie-Regiment Nr. 25, die titulierten "Lützower", vor ihrer Verlegung nach Aachen, stationiert war. "Da wir mit der nationalen Tradition verwurzelt sind, steht bei uns Lützowern das freiheitlich-demokratische Element im Vordergrund", betont Tobias Warmut. Höhepunkte bei den heutigen Lützowern sind die Nachstellung von historischen Ereignissen. So unter anderem die Völkerschlacht von Leipzig aus dem Jahr 1813. Zum 200-jährigen Jubiläum dieser blutigen und geschichtsträchtigen Schlacht haben sich bereits über 9.000 Teilnehmer aus aller Welt angemeldet, welche die entscheidende Schlacht gegen die napoleonische Herrschaft in Deutschland nachstellen wollen.
Rainer Wollenschneider

Badische Neueste Nachrichten, 26.03.2012

Skizze einer Persönlichkeit

Vortrag mit Musik über Friedrich II. im WGM


Rastatt (ramb) - Auch das Wehrgeschichtliche Museum in Rastatt feiert den 300. Geburtstag des Preußenkönigs Friedrich der Große am Dienstag, 24. Januar, und lädt um 19 Uhr zu einem Vortrag über den "Alten Fritz" ein. Oberstleutnant a.D. Dr. Waldis Greiselis will die Biografie Friedrichs II. umreißen, ausgehend von seiner Jugend bis zu seinen Pflichten als König und seinem weiteren Leben nach dem Siebenjährigen Krieg. Auch wenn man es zunächst kaum glauben mag, hatte Friedrich II. zum deutschen Südwesten eine gewisse Verbundenheit. Gleich zweimal weilte er in der heute nordbadischen Region. 1730 unternahm er mit seinem Vater seine erste Reise in diese Gegend. 1734 folgte ein zweiter Aufenthalt in der Region. Waldis Greiselis greift in seinem Vortrag auf Bild- und Musikmaterial zurück, um den Zuhörern ein verständliches und in den historischen Kontext eingebettetes Gesamtbild von Friedrich zu vermitteln. Der Referent präsentiert zwei Musikstücke, die Friedrich selbst komponierte. Friedrich war ein geübter Querflötenspieler und ein eifriger Sammler von Kunstgegenständen jeder Art. Der Vortrag will deutlich machen, dass Friedrich sich der Nachwelt nicht nur als bedeutender Feldherr, sondern auch als universalgebildeter Monarch präsentieren wollte.

Badisches Tagblatt, 21.01.2012

WGM intensiviert internationale Zusammenarbeit

Vertreter des größten Museumsnetzwerks tauscht sich bei Besuch in Rastatt mit Dr. Alexander Jordan aus


Rastatt (red) - Das Wehrgeschichtliche Museum im Rastatter Schloss möchte seine internationale Zusammenarbeit ausweiten. Ende November besucht der Vorsitzende des "International Committee for Museums of Arms and Military History" und Kurator des Königlichen Armeemuseums Brüssel, Piet de Gryse, das Wehrgeschichtliche Museum (WGM). Es sind Gespräche mit WGM-Direktor Dr. Alexander Jordan geplant und es sollen Weitere Kooperationen und eventuell gemeinsame Ausstellungen vorangebracht werden teilt das Museum mit.
Das "International Commitee for Museums of Arms and Military History" (ICOMAM) ist eines der 31 Internationalen Komitees des Internationalen Museumsrates (ICOM), dem größten internationalen Netzwerk von Museen und Museumsfachleuten quer durch alle Fachgebiete. Das ICOMAM ist international die einzige Organisation, die sich auf dieser Ebene mit dem Thema Militärgeschichte befasst. Die Hauptaufgabe liegt darin, den 260 freiwilligen Partnern aus über 50 Ländern in Zusammenarbeit mit der UNESCO die in den Museen verwahrten Kulturgüter zu schützen und sie in den Dienst der Gesellschaft zu stellen sowie bei der objektiven Einordnung der Ausstellungsstücke in den historischen und sozialen Zusammenhang zu helfen. Die Zusammenarbeit mit ICOMAM bedeutet also für das Rastatter Museum, daß der Status einer auf wissenschaftlicher Basis der Allgemeinheit dienenden Einrichtung offiziell anerkannt wird.
Darüber hinaus werden wissenschaftliche Forschungen über Waffen, Rüstungen und militärhistorische Sammlungen gefördert und Netzwerke und Partnerschaften zwischen Museen und Wissenschaft gepflegt. Im Rahmen dieses Austausches kommt der Vorsitzende des Komitees nach Rastatt. Neben dem Besuch des Residenzschlosses und des Wehrgeschichtlichen Museums soll ein intensiver Informationsaustausch stattfinden und es werden ganz praktische Fragen von potenziellen Ausstellungskooperationen erörtert.

Badisches Tagblatt, 25.11.2011

Mehr als Pauken und Trompeten

WGM-Katalog zur Studiensammlung Militärmusik erschienen


Rastatt (red) - Wieder kann das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt einen Sonderaspekt seiner Ausstellungstätigkeit in einem Katalog präsentieren. Der Autor und Redakteur des Boten aus dem Wehrgeschichtlichen Museum (WGM), Christoph Rehm, hat einen Katalog zur Studiensammlung Militärmusik erstellt.
Auf 56 Seiten werden mit einer Vielzahl von Abbildungen (über 60 Stück, teils großformatig) die Studiensammlung und die historischen Hintergründe der Militärmusik dargestellt. Christoph Rehm ist besonders geeignet, dieses Thema
dem interessierten Publikum zugänglich zu machen, da er den Aufbau der Studiensammlung kuratiert hat, informiert das Museum in einer Pressemitteilung.
Seit 2002 ist das Thema Militärmusik im Wehrgeschichtlichen Museum durch eine Studiensammlung repräsentiert. Anhand der Militärmusik lässt sich am sinnfälligsten - nicht nur für das Auge, sondern auch für das Ohr - zeigen, wie sich ein militärischer Teilbereich durch verschiedene Einflüsse verändert und selbst wieder große Auswirkungen auf "zivile" Gebiete hat. Dabei können die Gründe der Entwicklungsschübe unterschiedlichster Natur sein: Technische, etwa der Instrumenten-bau, innermilitärische, beispielsweise der Wechsel von der Lineartaktik zu Kolonnentaktik, der eine geänderte Sig-nalgebung erforderte, soziale, so die Abschaffung der Privilegien der Feldtrompeter, oder auch.kulturelle, man denke an die Übernahme der Janitscharenmusik. Nicht vernachlässigt bleibt die wechselseitige und sehr fruchtbare Beziehung zwischen Kunstmusik und Militärmusik. Der Katalog ist für sechs Euro im Museum erhältlich.

Badisches Tagblatt, 15.11.2011

Flaggenkundler treffen sich im WGM

Rastatt (red) - Einmal im Jahr kommen die Flaggenkundler Deutschlands zu ihrem Jahrestreffen zusammen. An zwei Tagen werden Vortrage, Diskussionen, Tausch-Basar und Gesprächsmöglichkeiten geboten. Die Flaggenkundler, auch Vexillologen genannt, sind in einem Verein organisiert, der Deutschen Gesellschaft für Flaggenkunde, der die Erforschung, Förderung und Pflege der Flaggenkünde und benachbarter Wissenschaften betreibt. Das Treffen, zu dem auch in- und ausländische Gaste eingeladen sind, findet jedes Jahr in einer anderen Stadt statt, dieses Jahr in Rastatt. Am Samstag, 22. Oktober, ist das Wehrgeschichtliche Museum (WGM) Veranstaltungsort. Um 11.30 Uhr findet eine öffentliche Führung mit dem Experten Dr. Ernst-Heinrich Schmidt statt, zu der interessierte Besucher willkommen sind. Vorträge und Fachgespräche am Samstag und Sonntagvormittag wenden sich eher an ein Fachpublikum.

Badisches Tagblatt, 20.10.2011

Reisen nur unter Waffenschutz

Wehrgeschichtliches Museum präsentiert zivile englische Pistolen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts

Rastatt (red) - Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen - vorausgesetzt, er kehrt wohlbehalten zurück. Selbstverständlich war das nicht, denn die Straßen und Reisewege im England des 18. und frühen 19. Jahrhunderts waren ein gefährliches Pflaster. Da war es besser, sich zu bewaffnen. Das Wehrgeschichtliche Museum im Rastatter Schloss zeigt ab Samstag, 8. Oktober, eine Sonderausstellung über zivile englische Pistolen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
Der Schriftsteller Henry Fielding schreib 1749 in einem Brief: "Es wimmelt allenthalben von Beutelschneidern, Ta-schendieben, Einbrechern und Straßenräubern. Die verwegensten Desperados begeben sich zu Pferde mit mehreren geladenen Pistolen im Halfter, einzeln oder in Banden auf die dünn frequentierten Landstraßen und plündern Passanten und Reisekutschen aus. Ein anständiger Mensch muss selbst am hellen Mittag so reisen, als wenn er in die Schlacht zieht."
Jeder, der es sich leisten konnte, versorgte sich in diesen unsicheren Zeiten mit geeigneten Pistolen, um Leib und
Leben und Hab und Gut zu verteidigen. Das Wehrgeschichtliche Museum (WGM) zeigt in dieser außergewöhnlichen Sonderausstellung die interessante Entwicklungsgeschichte englischer Pistolen in der Zeit von 1700 bis 1840. Ein derart spezielles Thema mit Objekten in dieser Vielzahl, Vielfalt und Qualität zu präsentieren, konnte nur durch Leihgaben aus den Sammlungen von Mitgliedern des Kuratoriums zur Förderung historischer Waffensammlungen ermöglicht werden, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.Gezeigt werden in lebhafter Gestaltungsweise Reiterpistolen, Duell-, Marine-, Reise-und Taschenpistolen in den unterschiedlichsten Formgebungen und Konstruktionsweisen. Zu den Besonderheiten gehören neben mehrschüssigen Feuerwaffen mit bis zu sieben Läufen auch Pistolen mit Wappen und Monogrammen des Hochadels. Die Pistolen aus dem Besitz von Thomas Masterman Hardy, Kapitän der "Victory" in der Schlacht bei Trafalgar, zählen gar zu den "Berührungsreliquien" der englischen Seekriegsgeschichte.
Eröffnung mit Festvortrag
Die Ausstellung wird am Freitag, 7. Oktober, um 17.30 Uhr mit einer Einführung von Frank Lankoff unter dem Titel „Very british - Englische Reise-und Taschenpistolen 1700-1840" eröffnet. Alle Interessierten sind willkommen.

Badisches Tagblatt, 05.10.2011

Bajonett und Skalpell

Das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt lädt zusammen mit der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Rastatt zu einem Vortrag mit dem Titel "Zwischen Bajonett und Skalpell. Aspekte des Militarsanitatswesens" ein. Der Termin findet am Mittwoch, 20. Juli, um 17 Uhr im Vortragsraum des WGM statt.
Bis zum Ersten Weltkrieg starben in vielen Kriegen weniger Soldaten an direkten Kampfverletzungen als durch mangelnde Hygiene und Krankheiten wie Typhus, Syphilis oder Gonorrhöe. Die Verluste sollten auch jenseits des Schlachtfeldes verringert werden. Hierzu war neben den voranschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnissen die allgemeine Wehrpflicht bedeutsam, da man nach Kriegsende die Manner wieder in ihren Berufen brauchte. Deshalb gab man sich oft noch mehr Mühe, sie am Leben zu halten, wie WGM-Direktor Alexander Jordan ausführen wird.
Die medizinische Forschung wurde in allen Jahrhunderten durch den Krieg beschleunigt und beflügelt: Natürlich profitierten auch Zivilisten in Friedenszeiten von sauberen Toiletten und frischer Luft im Krankenhaus, von dem, was Ärzte anhand von Schuss- oder Giftgasopfern gelernt hatten. Der Vortrag wird Themen anreißen wie die Bedeutung der Militarmedizin, deren Einsatz in Kriegen und der Organisation des Sanitatsdienstes. Nicht naher beleuchtet wird die ethische Frage von Töten und Helfen. Zur Verdeutlichung wird der Vortrag mit unveroffentlichtem Bildmaterial arbeiten.

Badische Neueste Nachrichten, 07.07.2011

Gemeinderat besucht das WGM

Rastatt (BNN). Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch und Mitglieder der städtischen Gremien waren zu Gast im Wehrgeschichtlichen Museum. Geschäftsführer Alexander Jordan führte die Gäste durch die Räumlichkeiten in der Barockresidenz. Bei einem Rundgang durch die Präsenzausstellung und die Sonderausstellung "Mythos Blitzkrieg", die noch bis zum 17. Juli zu sehen ist, habe man sich persönlich von der Qualitat des Museums überzeugen können.

Badische Neueste Nachrichten, 26.05.2011

Mythos vom Blitzkrieg gerät ins Wanken

Sonderausstellung im WGM über Westfeldzug 1940: Angriff aus strategischer Schwäche heraus

Wohl jeder kennt die Bezeichnung "Blitzkrieg" für den Westfeldzug 1940 aus dem Geschichtsunterricht: Innerhalb von nur sechs Wochen hatte die Deutsche Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs den Sieg über die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich errungen. In einer Sonderausstellung präsentiert das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt vom 30. April bis 17. Juli verblüffende Ergebnisse aus der historischen Forschung. Diese lassen das Ereignis in einem anderen Licht erscheinen."Der Begriff suggeriert, dass eine revolutionäre Strategie von einer hochmodern ausgerüsteten Wehrmacht umgesetzt wurde, während die Alliierten aus Dummheit und Mangel an modernen Waffen von Anfang an zur Niederlage verurteilt waren", erläutert Alexander Jordan, Direktor des Wehrgeschichtlichen Museums Rastatt. Aufgrund aktueller Untersuchungen kommt der Mythos vom "Blitzkrieg" jedoch ins Wanken. Der deutsche Angriff war zwar erfolgreich, aber eine hochriskante Operation, die nur aus einer strategischen Schwäche heraus überhaupt versucht wurde. Die deutsche Armeeführung hatte in weiten Teilen ein ähnliches Kriegsbild wie die Alliierten und die Wehrmacht selber unterschied sich im Sommer 1940 in der Masse kaum von der Armee des Jahres 1918. Die Alliierten verfügten über mehr und besseres Gerät. Die Operation drohte mehrmals zu scheitern und nach Abschluss der Kämpfe weigerte sich die Wehrmacht, den neuen Begriff zu benutzen, weil sie ihn für irreführend hielt.Ein kritischer Blick auf den Blitzkrieg zeigt zudem, dass er weit weniger revolutionär war, als gemeinhin vermutet wird. Trotz der faszinierenden Schnelligkeit des Sieges war er strategisch und historisch nur eine Episode - ein anachronistisches Relikt des rein operativen Ansatzes in einer Zeit des industrialisierten und totalen Krieges.AuBerdem wird in der Ausstellung das Bild des "sauberen Krieges" thematisiert. Die Ausstellung stellt dar, dass viele Millionen Belgier und Franzosen durch den deutschen Angriff zu Flüchtlingen wurden und Wochen und Monate, teils sogar Jahre auf der Flucht blieben. Während dieses Thema in Frankreich zur Schulbildung gehört, ist es in Deutschland ein fast unbekanntes Kapitel.Weiterhin wird thematisiert, dass auch im Westen vereinzelt Kriegsverbrechen begangen wurden: an afrikanischen Kolonialsoldaten, die in der französischen Armee kampften - auch dies in Deutschland erst jüngst erforschtes Gebiet.Mit Unterstützung des Deutschen Panzermuseums Munster zeigt das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt den Ablauf des Westfeldzuges, seine Folgen und aktuelle Forschungsergebnisse. [...] Zahlreiche Exponate aus den Sammlungen des Wehrgeschichtlichen Museums, des Panzermuseums Munster, des Musee Guerre et Paix en Ardennes und weiterer Leihgeber veranschaulichen das historische Ereignis für den Besucher.

Badische Neueste Nachrichten, 20.04.2011

Von der "Kugelspritze" bis zur Freundschaft

Ausstellung "Von Kaiser zu Kaiser" erinnert an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71

Von unserem Mitarbeiter Rainer WollenschneiderRastatt. Bei der bis zum 31. Oktober im Südflügel des Rastatter Schlosses zu betrachtenden Sonderausstellung, "Von Kaiser zu Kaiser - Erinnerungen an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71", haben Alexander Jordan und sein kleines, engagiertes Team wieder etwas Besonderes zu bieten. Mit sehr viel Liebe zum Detail wird im Wehrgeschichtlichen Museum (WGM) an zahlreichen Exponaten demonstriert, was es vor der deutsch-französischen Freundschaft der Gegenwart hieß, in den Nachbarn jenseits des Rheins, einen Erzfeind zu sehen.Schon in der Eröffnung der WGM-Ausstellung wurde deutlich, dass man an den letzten großen europäischen Krieg des 19. Jahrhunderts erinnern will, der weitgehend bei der Bevölkerung von den Ereignissen des Ersten und Zweiten Weltkriegs überschattet wird. Der Rastatter OB Hans Jürgen Pütsch verdeutlichte den Wandel im deutsch-französischen Verhältnis. Gerade für junge Menschen sei die Präsentation des WGM wichtig, den Wandel zu begreifen. "Der Blick in die Vergangenheit soll Mahnung für die Zukunft sein, um diese gut zu gestalten", betonte das Rastatter Stadtoberhaupt.Auch der Stellvertretende Kommandeur der Deutsch-Französischen Brigade, Oberst Klaus Hahndel, erwähnte den Wert der historischen Kulisse in der Ausstellung, als "wichtiges Scharnier" zur Gegenwart. Wichtige Lehren konnten aus der Geschichte gezogen werden, auch, was Ereignisse im Kosovo oder Afghanistan betreffe. Oberst Hahndel lobte die "offene, kritische Darstellung" in der WGM-Ausstellung und sprach einen großen Dank an Alexander Jordan aus. Zudem sei die seit 1989 existierende Deutsch-Französische Brigade der allerbeste Beleg dafür, wie viel inzwischen erreicht werden konnte.Jordan ging dann auf den Titel der Ausstellung ein, die zu mehr als 85 Prozent auf Exponaten des WGM basiere. "Von der Feindschaft zur Freundschaft" sei das Ganze zu überschreiben. Dabei gehe es auch darum, die Zeit mit dem Ende des französischen Kaisers Napoleon III. und dem Beginn der Ära des deutschen Kaisers Wilhelm I. vor Augen zu führen. Geboten könne in der Zusammenschau eine Fülle von bildlichen Darstellungen. Einmal sind es großformatige Bilder von Schlachtenmalern, dann Holzschnitte und auch Belege aus den frühen Zeiten der Fotografie.Unter den zahlreichen, präsentierten Waffen aus dem Deutsch-Französischen Krieg, ragt ein Stück heraus: die Mitrailleuse. Von den Deutschen wurde dieser Vorläufer des Maschinengewehrs "Kugelspritze" genannt. Mit ihr konnten drei Salven pro Minute, das waren circa 75 Schuss, abgegeben werden. Integriert in die Ausstellung wurden auch die beiden Ge-schütze des Rastatter Artilleriebundes, "Karl" und "Rudolf". Gelungen auch der Blick durch Öffnungen in den Schlosshof, wo Bezug auf die großen Beutekanonenrohre "L'Ange" und "Maroquin" genommen wird.Uberhaupt wies Jordan auf die stadtgeschichtlichen Bezüge in der Ausstellung hin, so auf das Gefangenenlager im Zay und die Fruchthalle als Auffanglager, Interessant auch die Ausführungen zu der Entstehung des Begriffes der "Schlachtenbummler" und auch Souvenirjäger am Rande des blutigen Geschehens von Wörth, Thionville und Sedan. Auch ein Stück der Kapitulationsfahne von Straßburg kann dazu gezeigt werden. "Hier wird französische Bitterkeit und deutscher Siegesstolz auf dem Weg zum Ersten Weltkrieg verdeutlicht", schloss Jordan.

Badische Neueste Nachrichten, 02.08.2010

WGM-Leiter plaudert aus dem Nähkastchen

Rastatt (red) - Der Historische Verein Rastatt lädt zum Historischen Abendtreff am Donnerstag, 15. Juli, um 19 Uhr ins Gasthaus "Zum Löwen" in der KaiserstraRe ein. Dr. Alexander Jordan, Leiter des Wehrgeschichtlichen Museums, spricht zum Thema "Ohne Tritt durch die Militärgeschichte". Im vergangenen Jahr feierte das Wehrgeschichtliche Museum (WGM) sein 75-jähriges Bestehen (wir berichteten). Zudem konnte der Förderverein des Museums seinen 50. Geburtstag begehen. Dieses Jubiläum soll zum Anlass genommen werden, die Entstehung des Museums und die langen, fruchtvollen Jahre in Rastatt Revue passieren zu lassen. Seit 1956 ist das WGM im Schloss Rastatt beheimatet und gehört mit seinen Sammlungen und seiner modernen Präsentation zu den führenden militarhistorischen Museen Deutschlands. Der Bestand an landesspezifischen Objekten zur Militärgeschichte, vor allem der altbadische Bestand, machen es zum massgeblichen Museum auf diesem Gebiet im südwestdeutschen Raum, so eine Mitteilung. Jordan will einen Blick auf die Geschichte des Hauses werfen und aus dem Nähkastchen des Museumsdirektors plaudern. Der Zuhörer bekommt einen Blick hinter die Kulissen des Museumsalltags. Der Eintritt frei.

Badisches Tagblatt, 09.07.2010

Verhältnis von Militär und Staat beleuchtet

Katalog zur Dauerausstellung im Wehrgeschichtlichen Museum vorgestellt


Von Ralf Joachim Kraft
Rastatt - Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 75. Geburtstag des Wehrgeschichtlichen Museums Rastatt und des 50-jährigen Bestehens der Vereinigung der Freunde des Museums hat sich jetzt ein lange gehegter Wunsch erfüllt: die Publikation eines Begleitbandes zur Dauerausstellung. Gestern haben WGM-Direktor Alexander Jordan sowie die beiden Autoren und Herausgeber, Joachim Niemeyer und Christoph Rehm, den 306 Seiten starken, mit 350 Fotos und 14 Karten reich bebilderten Katalog mit dem Titel „Das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt - Militärgeschichte in Baden-Württemberg" bei einem Pressetermin im Museum vorgestellt.
Das Werk beleuchtet in Wort und Bild das Verhältnis Militär und Staat. Es bietet dem Leser laut Jordan Orientierungshilfe, einen einfachen Einstieg in die spannende Militärgeschichte vom ausgehenden Mittelalter bis zum Ende des Ersten Weltkriegs und zudem die Möglichkeit, den Museumsbesuch vor- und nachzubereiten. Inhaltlich umfasse der Katalog 400 Jahre europäischer Militärgeschichte mit Schwerpunkten auf Baden und Württemberg. Der zeitliche Schwerpunkt liege im 17. bis 19. Jahrhundert.
„Das ist der erste Katalog in Deutschland, der in einer solchen Größe die moderne Militärgeschichte präsentiert", berichtete Niemeyer stolz.
Entstanden sei ein exzellentes Werk, das die Anziehungs- und Strahlkraft der realen historischen Exponate museumspädagogisch fundiert aufarbeitet, ergänzte Jordan, der sich bei den Autoren für ihre viele Arbeit bedankte. Besonderer Dank gebühre auch der Vereinigung der Freunde des Museums, die das in einer Auflage von 2.000 Exemplaren und zum Preis von 20 Euro erhältliche Werk in Auftrag gegeben hatte. „Nur durch ihre tatkräftige Hilfe und finanzielle Unterstützung konnte dieser Katalog entstehen." Der Freundeskreis bilde „das Rückgrat unserer publizistischen Arbeit". In den leserfreundlich nach einer WGM-typischen „ Erkennungsmelodie" gestalteten Begleitband ist nach Aussage der beiden Autoren fast nur deutschsprachige Literatur aufgenommen worden. Geprägt sei der Katalog zum einen von der „veränderten Besucherstruktur im Museum" und zum anderen von einem „neuen Verständnis der Militärgeschichte", erläuterte Niemeyer. „Früher waren viele Besucher Soldaten und Kriegsteilnehmer. Heute stehen nicht mehr der Krieg oder die Krieggeschichte im Mittelpunkt. Viel wichtiger sind die für das Verständnis des Staates essentiellen Bezüge zur allgemeinen Geschichte." Daher sei der Begleitband interdisziplinär eingebettet in die Ereignis-, Gesellschafts- und Kulturgeschichte. Die Epochen würden weitaus stärker als früher in einem Gesamtzusammenhang gesehen und auch bedeutende heereskundliche Aspekte hervorgehoben.

Badische Neueste Nachrichten, 28.11.2009



Herz und Seele des WGM im Rastatter Schloss

Bereits im siebten Jahr gewährleisten ehrenamtliche Helfer, dass das Wehrgeschichtliche Museum auch wochentags offen ist


Von Sebastian Linkenheil
Rastatt - Das Wehrgeschichtliche Museum ist täglich (außer montags) geöffnet. Das war nicht immer so. Wegen Etatkürzungen hatte es seine Öffnungszeiten einst drastisch einschränken müssen. Sein ehemaliger Leiter Uwe-Peter Böhm wollte sich damit nicht abfinden und rief vor gut sechs Jahren eine Gruppe von Helfern ins Leben, die seitdem zu so etwas wie Herz und Seele des WGM geworden sind. Auch Museumsleiter Dr. Alexander Jordan weiß, dass er sich auf die Truppe verlassen kann.
"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es", dieses Zitat von Erich Kästner liegt Böhm auf den Lippen, wenn er an die Anfänge des ehrenamtlichen Engagements für das Wehrgeschichtliche Museum denkt. 2003 wurden die allermeisten der bis dato 32 festen Stellen der WGM GmbH gestrichen. "Im kleinen Kreis haben wir überlegt, was wir tun können", erinnert sich Böhm. Das Schreckgespenst der Museumsschließung stand damals vor Augen. Über Mundpropaganda und Aufrufe in der Zeitung warb man um Menschen, die es sich vorstellen konnten, einen Teil ihrer Freizeit dem Haus und seinen Besuchern zu widmen.
Heute sind es 15 Männer, meist Rentner oder Pensionäre. "Von Anfang an war uns klar, dass wir die festen Kräfte im Museum letztlich nicht ersetzen können, doch unser Ziel war es, dieses Haus und seine Sammlungen für die Besucher zu erhalten", hält Böhm Rückschau. Natürlich geht es beim freiwilligen Einsatz im Museum darum, Aufsichtsdienste zu schieben. Aber das ist nicht alles. Die Helfer, alle an Geschichte und Geschichten interessiert, haben sich inzwischen viel Wissen angeeignet. "Wir wollen mit den Museumsgästen ins Gespräch kommen und Fragen beantworten", betont Böhm: "Die Ehrenamtlichen wissen aber auch, wo ihre Grenzen sind und wann der Fachmann Auskunft geben muss." Museumsführungen im strengen Sinn bieten die Ehrenamtlichen nicht an. Aber wenn sie gefragt werden, erzählen die Senioren gern, und das macht allen viel Spaß.
Einer von ihnen ist Adolf Helmuth Reichel, der seit drei Jahren "bei der Truppe" ist. Besonders gerne zeigt er Besuchern die etwas skurrile Abbildung eines türkischen Kriegskamels mit Pferdehufen und einer Kanone am Sattel. Mit Genuss erzählt er Anekdoten und freut sich über das große Interesse und die Geschichtskenntnisse gerade ausländischer Besucher. Fritz Maulbetsch ist ein "Mann der ersten Stunde". Er selbst bezeichnet sich als großen Geschichtsfan. Ebenfalls von Anfang an mit im Boot ist Peter Hauns, der bei Gästen aus dem Ausland mit seinen Fremdsprachenkenntnissen punktet. Das Mitglied des Historischen Vereins führt Interessierte übrigens auch durch Rastatts Festungskasematten und durchs Riedmuseum. "Es wäre eine große Schande für Rastatt gewesen, wenn man das Museum hätte schließen müssen", begründet er, wieso er mit Feuereifer bei der Sache ist.
Kein Wunder also, dass Alexander Jordan beim Sommerfest der Ehrenamtlichen viele Schultern klopft: "Immer wieder eine Freude ist es, zu sehen, wie der Laden zusammenhält", lobt er. Und: "In anderen Museen habe ich das auch schon anders erlebt." Jordan schätzt außerdem. dass durch den Kontakt zwischen Ehrenamtlichen und Besuchern eine Art Frühwarnsystem besteht, das auf Kritik von Gästen sofort reagieren kann. zum Beispiel falls Beschriftungen in der Ausstellung einmal zu klein gedruckt sein sollten.
In sein Lob schließt Alexander Jordan die Mitarbeiterinnen ein, die auf 400-Euro-Basis beim Museum beschäftigt sind. "Das sind ja eigentlich auch Ehrenamtliche - mit einer geringen Aufwandsentschädigung", findet Böhm.
Wer Lust hat, zu den WGM-Helfern dazuzustoßen, ist sehr willkommen.

Badisches Tagblatt, 04.09.2009

Stadt will sich weiter für Erhalt des WGM einsetzen

Festakt zum 75-jährigen Bestehen des Museums und zum 50-jährigen Bestehen des Freundeskreises mit klarem Bekenntnis


Rastatt (rws). "Dieses ist zwar ein 'altes' Museum, aber es ist jung geblieben!", so Friedhelm Klein, Vorsitzender der Vereinigung der Freunde des Wehrgeschichtlichen Museums (WGM) Rastatt, beim Festaktes [sic] im Ahnensaal der Barockresidenz. Während der Förderverein auf 50 Jahre seines Bestehens zurückblicken kann, reichen die Wurzeln des WGM 75 Jahren zurück, als 1934 im Marstall des Karlsruher Schlosses das Badische Armeemuseum eingerichtet wurde.
Der derzeitige Leiter des WGM, Alexander Jordan, lobte die sehr gute Kooperation mit der Stadt Rastatt und OB Hans Jürgen Pütsch gab ein klares Bekenntnis zu "einem der bedeutendsten Museen seiner Art in der Region, in Deutschland oder gar in Europa" ab. Das Rastatter Stadtoberhaupt ging auch auf den entscheidenden Einschnitt für die Sammlungen des WGM ein, als nach der Wiedervereinigung manches Exponat nach Dresden abwanderte. Da man auch Rastatt und Südwestdeutschland im WGM besonders berücksichtige, sei die Stadt laut Pütsch weiterhin am Erhalt des WGM interessiert - "Rastatt will sich weiter um den Erhalt der musealen Bildungsstätte bemühen."
Auch Friedhelm Klein für die Freunde des WGM versprach weitere Unterstützung für das dreiköpfige Team um Alexander Jordan beim "Sammeln, Erhalten, Forschen und Präsentieren ". Für das Militärgeschichtliche Forschungsamt in Potsdam sprach Oberstleutnant Harald Potempa beim Festakt des WGM. Er hob die Vorreiterrolle des Museums in Rastatt [hervor] in puncto Aufbereitung der Wehrgeschichte [...]. Gerade in Rastatt könne der Rollenwandel des Militär ("Gegen Demokraten helfen nur Soldaten") zum "Staatsbürger in Uniform" deutlich nachvollzogen werden. Jordan wies darauf hin, dass man zukunftig auch mehr die Jugend erreichen wolle. Dank eines in den Medien geweckten Geschichtsinteresses wolle man nicht nur Bilder, sondern auch Exponate im Original sehen.
Im aktuellen über 50 Seiten starken Katalog unter dem Titel "Gang durch die Geschichte" werden die "Schätze" des WGM dokumentiert. So präsentiert man bis zum 31. Oktober im Südflügel des Rastatter Schlosses beispielsweise detailgetreue Schiffsmodelle aus dem 19. Jahrhundert, welche dem badischen Großherzog und seiner Familie geschenkt wurden. Die Fahnenstangen Rastatter Regimenter und selten präsentierte Uniformen runden die Präsentation ab. Ein Highlight dabei ist sicher die Uniform des berühmten Grafen Zeppelin mit originalem Säbel und Ulanen-Kopfbedeckung. Nur um die Ecke wartet dort in der Dauerausstellung die Uniform des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II., in einer Vitrine auf die Besucher.

Badische Neueste Nachrichten, 20.07.2009

Zwischen Heldenmut und "Todesmärschen"

WGM feiert mit Sonderausstellung 75 Jahre Bestehen


Von unserem Redaktionsmitglied Heike Schaub
Rastatt. Als "Gang durch die Geschichte" ist die neue Sonderausstellung "75 Jahre Wehrgeschichtliches Museum Rastatt" konzipiert, die am Freitag, 17. Juli, eröffnet wird: Ausstellungsplakate der letzten Jahre dokumentieren bereits im Eingangsbereich die unterschiedlichsten Themen von den deutsch-jüdischen Soldaten (1981), über "Pferd & Militär" (1998) und "Militärstadt Rastatt" (2003) bis zur erfolgreichen Ausstellung über die Markgräfin Sibylla Augusta (2008) - letztere verschaffte dem WGM 21 000 Besucher. "Anhand ausgewählter Themenkomplexe der letzten 75 Jahre wollen wir die Geschichte des Hauses und die unterschiedlichen militärischen Aspekte zeigen", so Museumsleiter Alexander Jordan.
Aus dem umfangreichen Fundus des WGM werden dabei seltene Fundstücke gezeigt wie etwa ein sechs Meter langes Propagandaplakat der Franzosen von 1915, dass die deutschen Soldaten im elsässischen Schützengraben zur Aufgabe motivieren sollte. Der Erste Weltkrieg nimmt mit Uniformen, Schiffsmodellen ("die haben früher in maßstabsgetreuer Formation Unmengen von Platz eingenommen"), Karten zum Kolonialbesitz oder Festungen, Bilder vom Giftgasangriff und Fotos aus dem Schützengraben breiten Raum in der Ausstellung ein. Gleichzeitig verweist der Themenschwerpunkt auf die Gründung des WGM als Badisches Armeemuseum 1934, dessen erster Leiter Erich Blankenhorn den Gefallenen nicht nur des Ersten Weltkriegs Gedenken wollte. Eine eigene Vitrine mit dessen Polizeiunform erinnert an das Wirken des ehemaligen Chefs der badischen Landespolizei, der von den Nationalsozialisten in den Ruhestand geschickt wurde.
Ein Raum im Südflügel ist dem Zweiten Weltkrieg gewidmet, dass bei den bisherigen Sonderausstellungen mangels Platz und Exponaten bisher zu wenig thematisiert wurde, bedauert Jordan. Umso eindrücklicher ist dafür das Bild "Der Todesmarsch von Stalingrad" (1943/48) mit erschöpften und dick eingemummten Soldaten der 6. Armee beim Gang in die sowjetische Gefangenschaft, während gleich daneben ein heroischer Wehrmachtssoldat gezeigt wird. Blechnäpfe, ein selbstgebasteltes hölzernes Fotoalbum und eine wattierte Steppjacke aus einem sowjetischen Gefangenenlager sind die Antwort auf Konzentrationslager der Nationalsozialisten, deren Lage im besetzten Polen auf einer Karte gezeigt wird.
Ausstellungen und Führungen sind ohne die ideelle und finanzielle Hilfe der Vereinigung der Freunde des WGM nicht möglich, die fast 250 Mitglieder hat und in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Gegenwärtig 17 Ehrenamtliche machen es außerdem möglich, dass das WGM die ganze Woche zugänglich ist. "Mit drei Festangestellten sind wir am untersten Limit", verweist Jordan auf wöchentliche Anfragen von Sammlern, Wissenschaftlern oder Freunden des "Reenactments" (Nachstellung) nach zusätzlichen Informationen.

Badische Neueste Nachrichten, 15.07.2009

Ausstellung „Kunst oder Militärkitsch?" im WGM: 280 Objekte beleuchten Reservistenkult

Nostalgische Erinnerungen an Militärzeit

Rastatt (rws). Man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt, wenn man im ersten Stock des Südflügels der Barockresidenz die jüngste Präsentation einer Studiensammlung des Wehrgeschichtlichen Museums (WGM) bestaunt. Unter dem Titel, „Kunst oder Militärkitsch?“, wurde gestern die Ausstellung eröffnet, die sich Reservistika und soldatischen Erinnerungsstücken bis zum Ende des Ersten Weltkriegs widmet.
So wie der vormalige Leiter des WGM, Dr. Kai Uwe Tapken, der die Begrüßung bei der Eröffnung vornahm, ist der aktuelle WGM-Leiter Dr. Alexander Jordan stolz darauf, solch attraktive Memorabilien an die Militärzeit präsentieren zu können. Sie ebnen das Verständnis und geben Einblicke in die Intention des Kaiserreichs, in dem der Militarismus wie selbstverständlich den Alltag geprägt hatte.
„Aufgrund einer Stiftung von 89 Reservistenkrügen im Jahr 2007 sind wir in der Lage durch die Ergänzung unserer Bestände, immerhin 280 Objekte zeigen zu können, welche den Reservistenkult beleuchten“, äußerte WGM-Leiter, Dr. Jordan. Der Besucher kann beim Studium der Motive von Reservistenkrügen lange verweilen. So interessant sind die dargestellten Motive und markigen Sprüche.
Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war es auch für die Regimenter der Rastatter Garnison, welche zum 14. Armeekorps gehörten, üblich, ihre Freude über das Ende ihrer Militär-Zeit und das kommende Bereithalten als Reservesoldat kund zu tun. Man orderte bei speziellen Firmen Reservistenbilder, Reservistenflaschen, Reservistenstöcke, Reservistenpfeifen, aber gerade auch die attraktiven Porzellankrüge (später in Steinzeug). Die damals teuren Erinnerungsstücke hatten eigentlich stets die gleichen Elemente: Deckel, Krugkörper, Daumenrast, Namensleisten und Bodenbilder.
Dr. Jordan und sein kleines, emsiges Mitarbeiterteam können dazu einen optischen Leckerbissen in der aktuellen Ausstellung bieten. Über Rastatter Regimenter, so das Infanterieregiment 111, werden gerade aus Baden-Württemberg und Bayern „Sahnestücke“ an Reservistenkrügen präsentiert. Dazu gesellen sich Kuriositäten, wie (…) ein köstlich anzusehender preußischer Gardeoffizier, auf einem Fass sitzend, mit einer Bierflasche in der Hand.
„Hier geht es auch um Erinnerungskultur, die bewahrt wird“, fügt Dr. Alexander Jordan an. Er weist auf den Wandel hin, als sich schon während des Ersten Weltkriegs die „Philosophie“ bei Militärsouvenirs änderte. Das Säbelrasseln und Idealisierende der Militärzeit vor 1914 wird zum Heroisierenden. (…)

Badische Neueste Nachrichten, 06/07.12.2008

Staatssekretär Dietrich Birk lobt Rastatter Museum

Bekenntnis zum WGM

Rastatt (ema) - Ein „klares Bekenntnis“ zum Wehrgeschichtlichen Museum (WGM) legte gestern der Staatssekretär im Stuttgarter Wissenschaftsministerium, Dietrich Birk (CDU), ab. Es sei wichtig, die Militärgeschichte in all ihren auch grausamen Facetten zu beleuchten, sagte Birk bei einem vom Landtagsabgeordneten Karl-Wolfgang Jägel (CDU) initiierten Besuch im WGM. Rastatt mit seiner Geschichte sei prädestiniert als Museumsstandort, sagte Birk nach einer Führung durch Museumsleiter Alexander Jordan. (…) Die Verbindung von Residenz und Museum bezeichnete der Staatssekretär als „sehr gelungen“. (…) Vor dem Hintergrund früherer Turbulenzen zeigte sich Jägel froh darüber, dass das Land hinter dem WGM steht. Mit Blick auf eine große Landesausstellung 2014 über den 1. Weltkrieg kündigte Birk an, dass bei der Konzeption auch das WGM eingebunden werde.
Badisches Tagblatt, 25.10.2008

Krieg zwischen Triumph und Schrecken

130 Exponate in der Ausstellung „Extra schön“ halten Erinnerungen an „Türkenlouis“ wach

Rastatt (rws). „Erinnerungen an den Türkenlouis“ ist eine spezielle Schau mit 130 Exponaten überschrieben, die im Rahmen der Ausstellung „Extra Schön“ zum 275. Todestag der Markgräfin Augusta Sibylla im Schloss Rastatt präsentiert wird. „Durch den Glanz des Gatten wurde Augusta Sibylla trotz ihrer Verdienste bisher stiefmütterlich behandelt“, erläutert Hausherr Dr. Alexander Jordan, der neue Leiter des WGM, in dessen Räumlichkeiten die bisher gut besuchte Ausstellung zu sehen ist.
Eine Bestätigung für die Bedeutung des Wehrgeschichtlichen Museum sieht Jordan in dem Umstand, dass private Leihgeber und das „Centraal Museum Utrecht“ bereit waren, Ausnahmeexponate beizusteuern. So findet sich zunächst eine Bild mit dem „lockigen“ Ludwig Wilhelm sowie wertvolle Stücke aus der Türkenbeute der badischen Markgrafen. „Wir wollten neben dem Triumph des badischen Feldherren auch mit Gemälden und Stichen die Grausamkeit und den Schrecken des Krieges vor Augen führen“ so Jordan.
Jordans Vorgänger, Kai-Uwe Tapken, hatte die Ausstellung vorbereitet und dabei auch wertvolle Stücke aus dem Fundus des WGM mit einbezogen. So kann man einen handgezeichneten Plan um 1700 von den Bühl-Stollhofener-Linien und einen seltenen Plan mit der „Staatsachse“ von Rastatt nach Ettlingen sehen. In einem Diorama mit mehr als 230 Zinnfiguren wird das Heerwesen um 1690 und die Belagerung von Landau vor Augen geführt.
Beeindruckend ist die komplett zusammengestellte Ausrüstung eines markgräflichen Kämpfers um 1700. Da finden sich ein originaler Reiterdegen, ein Kürass (Brustpanzer), Reiterstiefel, aber auch eine „Zischägge“ nach dem Vorbild einer orientalischen Reiterhaube, die einen besseren Kopf-und Nackenschutz bot.
Um den Frieden von Rastatt und Utrecht von 1714 zu dokumentieren, hat das Stadtarchiv Ravensburg eine überdimensionierte Schützenscheibe zur Verfügung gestellt. Außerdem laden authentische niederländische Gemälde, sowie Medaillen in Silber und Gold zum Betrachten ein. So findet sich neben zwei wertvollen Vitrinentischen aus Utrecht auch ein Kavallerist mit Uniform und Gewehr um 1700.
In einer „Traditionsvitrine" wird auf den Türkenlouis und seine Rezeptionsgeschichte verwiesen. Im Mittelpunkt steht das Infanterie Regiment 111 in Rastatt, das den Namen des Markgrafen Ludwig Wilhelm trug. (…)

Badische Neueste Nachrichten, 19.07.2008

Neuer WGM-Leiter zu erstem Gespräch mit OB Putsch im Rathaus / Ziel:

Zusammenarbeit intensivieren

Rastatt (red) - Rastatts OB Hans Jürgen Putsch hat gestern den neuen Leiter des Wehrgeschichtlichen Museums (WGM), Alexander Jordan, im Rathaus willkommen geheißen. In einem ersten Gespräch tauschten sich der OB und der Museumsleiter laut Pressemitteilung unter anderem über die künftige Zusammenarbeit der Stadt Rastatt und des WGM aus. Beide seien sich darin einig gewesen, dieses Zusammenwirken zu intensivieren und die Museen in Rastatt stärker in ein Tourismuskonzept einzubinden. Wie es weiter heißt, erhoffen sich Putsch und Jordan dadurch nicht zuletzt mehr Besucher für alle Museen in der Stadt.

Badisches Tagblatt, 02.07.2008

Militärgeschichte auch für die Jugend

Alexander Jordan wird Mitte Juni neuer Leiter des Wehrgeschichtlichen Museums

Rastatt (bru). „Ich möchte einem jüngeren Publikum die Militärgeschichte zugänglich machen“, sagt Dr. Alexander Jordan. Er wird Mitte des Monats die Nachfolge von Dr. Kai Uwe Tapken als Leiter des Wehrgeschichtlichen Museums im Schloss antreten. Alexander Jordan ist selbst noch jung, gerade 32 Jahre alt, frisch promoviert und hoch motiviert, wie er selbst sagt. (…) Nach dem Abitur hatte Alexander Jordan, der aus Füssen im Allgäu stammt, erst einmal eine Banklehre absolviert, bevor er in Bamberg mit seinem Studium der Geschichte, Politik und Betriebswirtschaftslehre begann. Er studierte in Deutschland und Großbritannien und seine wissenschaftlichen Arbeiten oder seine Mitarbeit an Ausstellungen kreisten fast immer um ein Thema: Die Militärgeschichte. Folgerichtig führte auch seine Doktorarbeit in dieselbe Richtung. ,,Krieg um die Alpen 1914 bis 1918. Der Erste Weltkrieg im Alpenraum und der bayerische Grenzschutz in Tirol lautete der Titel des Werks, mit dem er im vergangenen Jahr den Doktortitel erwarb.
Voller Begeisterung widmet sich der junge Museumsleiter nun seiner neuen Aufgabe: „Es ist fantastisch, was mit dem Engagement der ehrenamtlichen Kräfte hier schon alles erreicht wurde“, sagt Jordan, der das Rastatter Museum auch in der Vergangenheit schon „aus der Ferne“ beobachtete und immer wieder besuchte.
Neben seinen historischen Kenntnissen und seinem Spezialgebiet der Militärgeschichte bringt Jordan - durch Banklehre und Studium - auch noch betriebswirtschaftliche Kenntnisse mit. „Die werden mir sicher helfen bei meiner Arbeit als Museumsleiter, um das vorhandene Budget so effektiv wie möglich einzusetzen.“ Alexander Jordan ist überzeugt, dass er seinen „Traumjob“ gefunden hat.

Badische Neueste Nachrichten, 05.06.2008

Kein verstaubtes Kriegsmuseum alter Art

Lohnenswertes Ziel

Das Wehrgeschichtliche Museum Schloss Rastatt betreut heute einen Fundus von zirka 80 000 Exponaten, die zum überwiegenden Teil dem Land Baden-Württemberg gehören. Daher ist das Jubiläumsjahr [des Landes Baden-Württemberg] ein geeigneter Anlass, an diese im Land einzigartige Institution zu erinnern, welche heute trotz aller Widrigkeiten der vergangenen Zeit immerhin 68 Jahre alt geworden ist. (...) Nach Jahren der Schließung, die das Museum in der Öffentlichkeit fast dem Vergessen anheim fallen ließen, und dennoch intensiver Arbeit hinter den Kulissen, konnte das Museum schließlich 1999 in neu renovierten Räumen des Schloss-Südflügels wieder eröffnet werden und sich der Öffentlichkeit mit einer völlig neuen und vor allem gelungenen Ausstellung präsentieren. Seit 1996 steht es nicht mehr unter der Leitung der Bundeswehr, sondern ist nun eine eigenständige GmbH, getragen durch das Land Baden-Württemberg, die Stadt Rastatt und einen Förderverein, über den auch das Bundesministerium der Verteidigung weiter am Unterhalt des Museums beteiligt ist. (...) Das Wehrgeschichtliche Museum ist so, wie es sich heute darstellt, kein verstaubtes Kriegsmuseum alter Art. Es fühlt sich einer modernen Militärgeschichte mit all ihren Facetten verbunden. (...) Neben dem allgemeinen historischen Rundgang wird das Wehrgeschichtliche Museum in diesem Jahr seine ersten Studiensammlungen über Militäreffekten und Blankwaffen eröffnen (...)."
Deutsches Waffenjournal, April 2002, S.16f.

 

Wehrgeschichtliches Museum zeigt
Waffenkonstruktionen des 19. Jahrhunderts

Die Sonderausstellung als Experimentierfeld

Rastatt (sb) "Von der SteinSchlossflinte zum Repetiergewehr" heißt die neueste Sonderausstellung im Wehrgeschichtlichen Museum (WGM) Rastatt, die jetzt eröffnet wurde. Dabei werden württembergische Waffenkonstruktionen des 19. Jahrhunderts gezeigt, die nicht nur für ein Fachpublikum, sondern für die breite Öffentlichkeit interessant sind. Denn anhand der Waffen spiegelt sich die industrielle Revolution wieder, die das Jahrhundert nach der Französischen Revolution besonders prägte. (...). Dabei ist die jetzt eröffnete Sonderausstellung für das WGM ein Feld des Experimentierens. So wird die Sammlung während ihrer Ausstellungszeit weiterentwickelt, was durch die Auseinandersetzung sowohl mit dem fachkundigen Besucher als auch mit dem absoluten Laien geschehen soll. (...).

Rastatt (dm) Im Wehrgeschichtlichen Museum im Rastatter Schloss ist gestern vor knapp 50 Besuchern die Sonderausstellung "Von der SteinSchlossflinte zum Repetiergewehr" eröffnet worden. In sechs Vitrinen wird dort eine Sammlung präsentiert, die laut Museumsdirektor Dr. Joachim Niemeyer in ihrer Geschlossenheit "ein Unikum" ist in Deutschland. (...) Die Ausstellung zeigt den Übergang vom Vorder- zum Hinterlader, den Wandel der Modelle, die Veränderungen in der Schlosskonstruktion, die Kaliberverkleinerung. (...).

Badisches Tagblattvom 31. 8. 2002. / Badische Neueste Nachrichten vom 2. 9. 2002.

Wehrgeschichtliches Museum: Führende Ausstellung

Uniformen, Blank- und Feuerwaffen

(suwa) Die Militärgeschichte des südwestdeutschen Raums ist der Schwerpunkt der Ausstellung im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt. Wer sich hier umsieht, dem begegnet auf Schritt und Tritt die Bedeutung der Region als Brennpunkt europäischer Politik, die nicht selten von kriegerischen Konflikten begleitet war.
(. . .) Das Wehrgeschichtliche Museum wurde 1934 gegründet. Es befindet sich seit 1956 im Rastatter Schloss. Die Exponate stammen aus den militärischen Beständen des Badischen Landesmuseums und Teilen des ehemaligen Württembergischen Armeemuseums. Erweitert wurde die Sammlung durch Stiftungen und Ankäufe.
Die Ausstellung zählt ob ihrer Qualität zu den führenden in Deutschland. Militärgeschichte wird hier in gesellschaftliche Zusammenhänge eingebunden (. . .)"

Mittelbadische Presse, 11. April 2001

WGM Rastatt: Bundesbehörde schickt Vertreter

Ministerium für Museums-Erhalt

Rastatt (BT) - Das Bundesministerium der Verteidigung hat sein Interesse am Erhalt des Wehrgeschichtlichen Museums Rastatt deutlich gemacht. Dies geht hervor aus der Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesminister der Verteidigung, Walter Kolbow, auf eine Anfrage der SPD-Abgeordneten Nicolette Kressl. Der Bitte des Oberbürgermeisters der Stadt Rastatt, Klaus-Eckhard Walker, einen Vertreter zu den schon angelaufenen Verhandlungen zu entsenden, habe das Ministerium mit dem Referatsleiter Bischof entsprochen. Bischof solle als Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums künftig in der "Arbeitsgruppe der Zuwendungsgeber" im Interesse des Fortbestands des Wehrgeschichtlichen Museums Rastatt auch über den 31. Januar 2003 hinaus mitwirken. Über die Antwort Kolbows hat Kressl den Oberfinanzpräsidenten und Vorsitzenden des Aufsichtsrats der GmbH Wehrgeschichtliches Museum Rastatt, Manfred Walz, informiert (...)."

Badisches Tagblatt vom 11. 4. 2002

Zur Sonderausstellung "Martin Frost - Chronist des Krieges":

Ein Maler im Schützengraben

Rastatt (dg) - Der Erste Weltkrieg war der erste "moderne Krieg". Und neben der allerneuesten Waffentechnik spielten die neuen Medien - Fotografie und Film - eine nicht unbedeutende Rolle., vor allem als Mittel der Propaganda. (...) Martin Frost, ein akademisch ausgebildeter Maler, war einer der letzten großen Chronisten des Krieges mit Zeichenstift und Pinsel. Und seine Bilder aus dem Ersten Weltkrieg sind nun in einer Sonderausstellung des Wehrgeschichtlichen Museums zu sehen. (...) Das WGM besitzt mehr als 260 Bilder des Kriegsmalers, mit dessen Familie das WGM seit 65 Jahren zusammenarbeitet. Auch zur Ausstellungseröffnung kam eine Enkelin des Malers nach Rastatt. 85 Werke Frosts sind in der Ausstellung zu sehen. Schwerpunkt der Ausstellung bilden Bilder von der Elsassfront, insbesondere die Kämpfe um den Hartmannsweiler Kopf. (...) Frost war ein herausragender Reporter des Wirklichen auf dem Schlachtfeld. Deshalb haben seine Bilder auch heute noch ihren Wert. Die Ausstellung "Martin Frost - Chronist des Krieges" ist noch bis zum 21. Juli im WGM zu sehen."

"(...) Der Künstler Martin Frost (1875 - 1928) gehört weder zu den kriegsverherrlichenden noch verdammenden Künstlern, welche die Episoden des Ersten Weltkriegs in Bildern festgehalten haben. (...) Während Maler wie Franz Marc, Max Beckmann oder Otto Dix die andere, eine unerwünschte Aufarbeitung des Krieges lieferten, dokumentierte der "Zugelassene Kriegsmaler" Martin Frost mit dem Schwerpunkt im Elsass (Hartmannsweiler Kopf) oder dem Grabenkrieg an der Somme in künstlerisch-realistischen Bildern. (...) Nach dem Ende der Sonderausstellung "Martin Frost" wird ein Teil seiner Bilder die Dauerausstellung ergänzen. (...)"

Badische Neueste Nachrichten vom 25. 3. 2002 / Badisches Tagblatt vom 23. 3. 2002

Zur Neueröffnung des Südflügels:

Eine museale Auferstehung (FAZ)

"(...) Zu berichten ist von einer musealen Auferstehung: Heute wird die neue Ausstellung des Wehrgeschichtlichen Museums im Rastatter Schloss feierlich eröffnet, was allein schon ein Wunder ist. Denn Anfang 1996 hatte das Bundesverteidigungsministerium noch die Schließung veranlasst, wodurch eine der bedeutendsten militärgeschichtlichen Sammlungen dieses Landes beinahe zerschlagen worden wäre. (...) Was es in der weiß getünchten Zimmerflucht des Südflügels ab heute zu sehen gibt, ist der zweite Teil des Wunders. Statt ganze Waffenkammern auszuschütten ..., verhilft Museumsdirektor Joachim Niemeyer der Geschichte zum Triumph über das Material. (...) Gut möglich, daß diese feine Geschichtsschau bald Zuwachs erhält. Tausendfünfhundert Quadratmeter Ausstellungsfläche stehen noch zur Verfügung(...)."

"(...) Das rund 16 Millionen Mark teure Werk lobt viele Meister. Schließlich handelt es sich nicht nur um einen Kraftakt des Landes, auch der Bund, die Stadt und alle Gesellschafter der WGM GmbH haben ihren Anteil am Gelingen. Und dass es gelungen ist daran hatten die ersten Gäste keinen Zweifel. (...) Viel Lob von allen Seiten erntete gestern das engagierte Museums-Team.
    Rastatter Tageblatt vom 30. 10. 1999

"(...) Eckhard Salzwedel vom Staatlichen Hochbauamt: 'Das Land hat eine Menge investiert und wollte keine reine Präsentation für Militariasammler mehr!' Vor Ort kann man sich ... überzeugen, dass neue Wege in der jahrzehntelangen Geschichte des WGM beschritten wurden. (...) In den Räumen gibt es zentrale Inszenierungen, Bild-Text-Dokumentationen an den Wänden und eine durchgehende Wandzeitung zur Kultur- und Wirtschaftsgeschichte (...)."

Badische Neueste Nachrichten vom 29. 10. 1999 / Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. 10. 1999

Werke in Stein und Öl

Darstellung hält sich strikt an Realität

(…) Mit der Sonderausstellung "Werke in Stein und Öl" im Wehrgeschichtlichen Museum weihte Dr. Gerhard Niemeyer, Leiter des Museums, den neuen Gartensaal im Südflügel des Rastatter Schlosses ein. (…) Die Gemälde des aus Jena stammenden André Brauch, die im Gartensaal zu sehen sind, konzentrieren sich auf die Festungsstadt Straßburg in der Zeit von 1870 bis 1918. Die wie Fotografien wirkenden Ölgemälde halten sich in ihrer Darstellung der Festungsanlage mit den vorgelagerten Forts und Räumen strikt an die Realität. (…) Selbst die Landschaften rund um die aus der Vogelperspektive zu betrachtenden Gebäude entsprechen der Realität. (…) Dr. Gerhard Niemeyer sieht in der Ausstellung einen besonderen Bezug zur Stadt Rastatt als ehemalige Festung und hofft, auch diese eines Tages in Öl auf den Leinwänden im Wehrgeschichtlichen Museum zu finden.

Badische Neueste Nachrichten, 5. September 2000

Sonderschau mit militärischen Porzellanfiguren bis 10. Juni im Wehrgeschichtlichen Museum zu sehen
80 filigrane Exponate

"Zerbrechliche Helden"

Rastatt (sko) Im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt können seit gestern "Zerbrechliche Helden" bestaunt werden. In einer Sonderschau werden rund 80 militärische Figuren aus der Dresdener Porzellanmanufaktur gezeigt.
Die Ausstellung (...) ist eher ein Zufallsprodukt, sagt Michael Seifert, Assistent im Controlling der Dresdner Porzellanmanufaktur. Er hat 1999 als Praktikant den Dachboden der Firma aufgeräumt. Und dabei fand er etliche militärische Figuren. Anhand der Produktionsnummern konnte Seifert feststellen, für welche Figuren noch Gussformen im Lager vorhanden waren. "Und wir haben Glück: Für die meisten Figuren gibt es noch Formen", erzählt der Dresdner. (...)
Zu sehen sind ausgefallene und farbenfrohe Figuren, die die Begeisterung um Napoleonwiederspiegeln. (...) Auch filigrane Abbilder von Katharina der Großen, vom Adjutanten des Fürsten von Ponte Corvo und von Friedrich dem Großen werden gezeigt, und Napoleon zu Pferd kann ebenfalls betrachtet werden.   

Sonderausstellung

Zerbrechliche Helden im Schloss

Rastatt (rws) Die Porzellanmanufaktur Dresden präsentiert bis zum 10. Juni in den Räumen des Wehrgeschlichtlichen Museums (WGM) im Rastatter Schloss fast 100 Exponate. "Zerbrechliche Helden" ist die Zusammenschau zur hohen künstlerischen Meisterschaft der Sachsen überschrieben. (...) Oberfinanzpräsident Dr. Manfred Walz, Vorsitzender des WGM-Aufsichtsrates, lobte die attraktive Zugabe zur Dauerausstellung. Für die Dokumentation der Detailtreue könne auch der bunte, reich bebilderte Katalog dienen. Er entstand in Zusammenarbeit mit dem Militärhistorischen Museum in Dresden, wodurch ein annehmbarer Preis möglich wurde. Für den Leiter des WGM, Dr. Joachim Niemeyer, stellt die Kooperation mit dem sächsischen Wirtschaftsunternehmen einen zukunftsweisenden Weg dar. Die Ausstellung belege auch den unermüdlichen Einsatz der Mitarbeiter des WGM-Rastatt, welche in mehreren Räumen die Vitrinen mit zerbrechlichen Meisterstücken angemessen postiert hätten. Begeister zeigte sich auch Dr. Klaus-Peter Arnold, der Geschäftsführer der Sächsischen Porzellanmanufaktur (...). Außer Montag ist die Schau der Kostbarkeiten in Porzellan im Rastatter Schloss zu besichtigen.

Badische Neueste Nachrichten, 9. April 2001 / Badisches Tagblatt, 7. April 2001

Sonderausstellung im WGM mit Werken des Architekturmalers André Brauch eröffnet

Kunst der Festung

Rastatt (fvo) - Befestigungskunst von 1870 bis 1918 zeigt eine Sonderausstellung im Wehrgeschichtlichen Museum mit dem Titel "Werke in Stein und Öl" (…). Die Gemälde stammen von André Brauch, einem 1965 geborenen Künstler aus Jena, der sich auf die Darstellung von Festungen spezialisiert hat. (…) Die Ausstellung ist bis zum 15. Oktober geöffnet (Dienstag bis Sonntag von 9.30 bis 17 Uhr).
 
Badisches Tagblatt, 2. September 2000